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Zielgerichtete Krebstherapie

Krebszellen im »Schlummerzustand« bekämpfen

Die zielgerichtete Therapie stellt einen der wichtigsten Ansätze der modernen Krebstherapie dar. Die Grundidee besteht darin, bestimmte Mutationen, die für das Krebswachstum verantwortlich sind, zu erkennen und mit Medikamenten anzugreifen. So können heutzutage zum Beispiel viele Lungen-, Brustkrebs- und Melanom-Patienten zielgerichtet behandelt werden. Allerdings entwickeln viele Patienten im Verlauf der Behandlung Resistenzen gegen die personalisierten Medikamente, sodass die Tumore erneut zu wachsen beginnen. Welche Gründe es dafür gibt, ist aktuell eine zentrale Forschungsfrage. […]

„Ähnlich zu vorangegangenen Studien, konnten wir zeigen, dass Krebszellen anstatt zu sterben als Reaktion auf zielgerichtete Krebstherapien auch einen inaktiven Schlummerzustand einnehmen können. Wir gehen davon aus, dass ein Teil der Krebszellen in diesem Zustand die Therapie überlebt, und später zu einem Rückfall des Patienten führen kann“, erklärt Dr. Johannes Brägelmann, Erstautor der Studie. […]

“Unsere Analysen zeigen nun, dass dieser Schlummerzustand während einer zielgerichteten Therapie auch von einer zellulären Stressreaktion begleitet wird. Hierdurch wird unter anderem das angeborene Immunsystem der Krebszellen aktiviert. Die schlummernden Krebszellen werden so für das körpereigene Immunsystem besser sichtbar und können gezielt angriffen und abgetötet werden. Leider ist diese, durch die zielgerichtete Krebstherapie ausgelöste, Entzündungsreaktion in den Tumorzellen nicht ausreichend, um eine so starke Immunantwort des Körpers auszulösen, dass alle Krebszellen abgetötet werden“ erklärt Carina Lorenz, Co-Erstautorin der Arbeit.

Die Gruppe unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Martin Sos, Letztautor und Leiter der Studie, […], analysierte deshalb in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern im In- und Ausland die Details der Immunreaktion und testeten daraufhin potentielle therapeutische Ansätze um diese gezielt weiter zu steigern. Dabei konnten sie zeigen, dass sich die Krebszellen im „Schlummerzustand“ durch die Kombination mit sogenannten RIG-I Agonisten besonders gut abtöten lassen. […]

Im Detail, konnte die Forschungsgruppe so einen Teil der Tumorzellen direkt in den Zelltod treiben und durch die verstärkte Entzündungsreaktion auch das körpereigene Immunsystem bei der Tumorabwehr stärker einbinden. Dass diese Kombinationstherapie besser funktioniert als die zielgerichtete Therapie allein, konnte sie in verschiedenen Krebszellen aber auch bereits in Modellorganismen zeigen. […]

Vollständige Quelle: Uniklinik Köln