© Screenshot

#WiRdigital: Gründungswillig

Kann man Startup lernen?

Am 06. Dezember 2021 gab Prof. Dr. Michael Pulina, Studiengangsleiter für die Studiengänge Entrepreneurship und Unternehmensmanagement an der Rheinischen Fachhochschule Köln, einen unterhaltsamen und interessanten Praxis-Einblick in Startups am eigenen Beispiel-Produkt „Waschmittel“. Wie das Startup-System funktioniert und worauf man achten muss, war Gegenstand seines Vortrags.

Nehmen wir die Antwort auf die Frage, ob man Startup lernen kann gleich vorweg: Ja sagt Prof. Pulina, durch eine eigene Gründung. Das weiß er aus Erfahrung, denn er hat in der Zeit seiner eigenen Gründung am meisten gelernt. Aber nicht allein, sondern im Team. Eine wichtige Rolle im Gründungsprozess schreibt er daher auch den Hochschulen zu, die sich verstärkt mit dem Thema „Gründung“ und Startup beschäftigen. Die Hochschule als Ort der Begegnung, des Austauschs und der praktischen wie theoretischen Unterstützung. Unter der gemeinsamen Marke „Gateway“ haben zum Beispiel vier Kölner Wissenschaftseinrichtungen ihre Start-up-Förderung unter gebündelt. Universität zu Köln, TH Köln, Deutsche Sporthochschule Köln und Rheinische Fachhochschule Köln bieten unter der Marke einen Gründungsservice an.

Von der Idee zum Erfolg
Anhand seines eigenen Beispiels – die Entwicklung eines Waschmitteltuchs – nahm der studierte Chemiker Michael Pulina die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf den Weg eines Startups. Von der Idee bis zum Erfolg: Teambildung, Konkurrenzprüfung, Alleinstellungsmerkmal (USP), Businessplan, Kapital, Patentanmeldung bis zur Marktreife.

Welche Fragen muss man sich stellen und beantworten, damit die Gründungsidee zum Erfolg führt?
Das fängt schon mit der Frage an, was der Unterschied zwischen Selbstständigkeit und Startup ist? „Selbstständigkeit bedeutet, ich mache etwas in eigener Verantwortung und baue ein Unternehmen auf. Startup geht noch einen Schritt weiter mit dem Anspruch: ich mache etwas anders als die anderen. In der Regel eine neue Produktlösung. Bestenfalls ein Produkt, das nicht groß erklärt werden muss, weil sonst sehr viel Geld ins Marketing fließt. Startups gehen zurzeit stark auf die europäischen Megatrends Nachhaltigkeit und Digitalisierung“, erklärt Pulina.

Da Gründer*innen meist sehr verliebt in ihr Produkt sind, rät er aus wirtschaftlicher Sicht dazu unbedingt zu hinterfragen, wer an neuen Produkt interessiert ist? Pulina hat dazu selber für sein Produkt eine Marktforschungsstudie durchgeführt und interessante Erkenntnisse gewonnen, mit denen er nicht gerechnet hätte. Sein Tipp: Die Frage muss lauten, wie groß der Effekt des neuen Produktes ist? Das kann sehr gut über Bilder transportiert werden. Zum Beispiel: durch die Substituierung dieses neuen nachhaltigen Waschmittelproduktes kann ein kleines Kohlekraftwerk eingespart werden. Oder 430.000 Auto können wir für die CO2 Bilanz kompensieren.
Ein ganz wichtiger Punkt bei der Gründung ist: Fakten, Fakten, Fakten sammeln und vergleichen. Welches „Plus“ hat mein Produkt?

Was ist die Vision und Strategie, mit der ich den Markt bearbeiten möchte?
„Wer klassisch vorgeht, bekommt auch klassische Ergebnisse“, so Pulina. „Was Startups ausmacht ist auch etwas anders zu versuchen. Auf Produktebene und in der Strategie. Ein Startup braucht in jedem Fall eine starke Story. Was soll erreicht werden und wie soll es erreicht werden.“

Startup Vokabular
In der Vernetzung, etwa bei der Beratung oder Finanzierung gibt es für Newcomer oft verwirrendes Startup-Vokubular. Was ist zum Beispiel der Unterschied zwischen einem Accelerator und einem Inkubator? Beim Accelerator – übersetzt „Gaspedal“ geht es um die Geschwindigkeit der Umsetzung eines Produktes, d.h. in kurzer Zeit von der Idee in den Markt zu gehen. Ein Inkubator ist eher eine „Brutstätte“.

Fördermittelprogramme
In NRW gibt es einige Fördermittelprogramme, die es zum Teil auch wirklich nur in NRW gibt. Z.B. NRW Gründerstipendium. Pulina ist selber Jurymitglied. „Viele hätten ohne das Stipendium, immerhin 1000 Euro pro Monat für ein Jahr, nicht gegründet.“ Das kann funktionieren, wenn man eine innovative Idee in einem starken Team hat.

Wo kann man sich ein erstes Feedback für grobe Gründungsideen holen?

  • Bei der lokalen Wirtschaftsförderung, die die Gegebenheit vor Ort kennt sowie in Köln beim hgnc.
  • Perspektivische Option bei Fördermitteln: EU Fördermittel – ZENIT (Land NRW) oder die klassische Finanzierung: NRW Bank (nur mit Businessplan)
  • Weitere Fördermittelprogramme: EXIST Programm an Hochschulen – hier hat jede Hochschule eine eigene Gründungsberatung.

Startup ist Zukunft
Prof. Pulina schließt den Vortrag mit dem Statement: „Ja man kann Startup lernen. Durch eigene Gründung. Alles andere ist Hilfestellung ohne Bezugssystem. Die Startup Infrastruktur wird immer besser und es ist mit einem Wachstum dieses Wirtschaftssektors zu rechnen. Startup ist Zukunft.“

Aufzeichnung: YouTube-Link