© pixabay | fancycrave1

WiR#digital: Die Macht der Tech-Firmen

Strategien der Tech-Manager aus Silicon Valley und aus China

Am 08.06.2020 fand erstmals das Format „Wissenschaft im Rathaus“ online statt. Frau Prof. Dr. Gisela Schmalz von der Rheinischen Fachhochschule gewährte einem interessierten Publikum den Blick hinter die Kulissen der weltweit größten Tech-Firmen. Zu den Firmen zählen u. a. Alphabet, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft.

Manipulative Unternehmensphilosophie

Diese Tech-Firmen haben mit Ihrem riesigen Vermögen die Macht, in Unternehmen und Strukturen zu investieren und deren Ausrichtung dadurch mitzubestimmen. Zudem betreiben sie eine manipulative Unternehmensphilosophie, indem sie Services anbieten, die eine große Nachfrage generieren und dadurch zahlreiche persönliche Informationen über die User abgreifen. Scheinbar ganz beiläufig werden diese Informationen gezielt genutzt, um mit maßgeschneiderten Inhalten ein bestimmtes Meinungsbild oder Kaufverhalten zu generieren. In dem Sinne: Wir bieten über iPhone, Alexa, YouTube, Google, Instagram oder WhatsApp tolle Services an, die Sie natürlich ganz freiwillig nutzen – und außerdem wollen Sie doch sicherlich zu den Vernetzten dazugehören und sich technologisch nicht abhängen lassen, oder? Gerade die junge Generation denkt dabei oft wenig darüber nach, was mit ihren Daten geschieht.

Politisches Kalkül – Totale Kontrolle

Staaten wie China gehen noch radikaler vor. Sie bewerten, belohnen und bestrafen das Verhalten ihrer Bürger über das Sozialkreditsystem, das Bürger an das Internet anbindet und permanent zu überwachen hilft. Das politische Kalkül ist es, die Kontrolle über alle Bürger zu erlangen – beispielsweise durch die Erfassung von Bewegungsprofilen oder durch Gesichtserkennung. Tech-Firmen möchten auch den Menschen selbst vernetzen. Die Anfänge sind bereits gemacht, durch Implantate in Handrücken, die beispielsweise das Öffnen von Türen oder automatische Bezahlvorgänge ermöglichen. So rücken die Technologien immer näher an den Menschen heran. Diese werden, oft ohne, dass sie es merken, manipuliert.

Europa mischt nicht mit

Europa hat leider den Anschluss versäumt, bei den großen Tech-Firmen mitzumischen – trotz hervorragender Wissenschaftler und gut ausgebildeter Fachkräfte – weil sie häufig ins Ausland abwandern. Hier müsste die Politik nicht bloß mit Geldstrafen oder mit Regulierung reagieren, sondern europaweit tätig werden und in neue Entwicklungen investieren, um nicht vollständig die Kontrolle an China oder die USA abzugeben. Dennoch kann gesagt werden, dass von Deutschland und von Europa aus die Entwicklungen kritisch beobachtet werden und man die Bürger etwa durch die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zu schützen versucht. Bürger sollten sich darauf jedoch nicht verlassen, sondern sich jederzeit informieren und eigenverantwortlich schützen.

Einen umfassenden Einblick in das Thema bietet das Sachbuch von Prof. Dr. Gisela Schmalz „Mein fremder Wille – Wie wir uns freiwillig unterwerfen und die Tech-Elite kassiert“ (Campus Verlag: Frankfurt am Main, 2020).

Die Kölner Wissenschaftsrunde bedankt sich bei der Referentin für ihren interessanten Vortrag.