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Von der ISS nach Köln

Matthias Maurer gewöhnt sich wieder an die Schwerkraft

Nach seiner Landung vor der Küste Floridas reist ESA-Astronaut Matthias Maurer auf direktem Weg nach Köln, um die Experimente seiner Cosmic Kiss-Mission fortzusetzen und sich von seinem Weltraumaufenthalt zu erholen. […] „Während des sogenannten Direct Return wird Matthias Maurer eine Reihe medizinischer Tests durchlaufen. Die meisten davon fanden auch schon vor seinem Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS entweder als Teil der Routine-Untersuchungen oder als Teil von Forschungsprojekten statt. Sie umfassen ein breites Spektrum medizinischer und psychologischer Daten”, sagt Prof. Jens Jordan, Leiter des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln.

Die Daten werden von der ESA sowie deren internationalen Partnern wie NASA, der kanadischen Raumfahrtagentur CSA und dem DLR benötigt. Matthias Maurer absolviert die Untersuchungen in den nächsten zwei Wochen im :envihab und dem EAC. Anschließend finden weitere Test am Johnson Space Center in Houston (Texas, USA) statt. „Untersuchungen werden wiederholt und mit früheren Ergebnissen verglichen: Ein Schwerpunkt sind sensomotorische Messungen, mit denen wir zum Beispiel die Auswirkungen der Raumfahrt auf die Funktion des Gleichgewichtorgans untersuchen. Die körperliche Fitness wird anhand von Muskelkraft- und Fahrrad-Ergometrie ermittelt, um die Wirksamkeit der aktuellen Trainingsmaßnahmen auf der Raumstation zu überprüfen”, erklärt Edwin Mulder, DLR-Projektleiter der wissenschaftlichen Untersuchungen des Direct Return von Matthias Maurer. Auch Schlaf und kognitive Leistungsfähigkeit werden detailliert bewertet. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen befassen sich zum Beispiel mit der Alterung von Blutgefäßen, der Regulation des Wärmehaushalts im Körper, der Wirkung von Weltraumbedingungen auf das Gehirn sowie der Auswirkung der Weltraumstrahlung auf den Menschen.

Matthias Maurer hat auf der ISS auch drei Experimente des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin durchgeführt. Beim Technologieexperiment Retinal Diagnostics untersuchte er mit Hilfe einer kleinen leichten Linse, die mit einem Tablet verbunden ist, die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf die Augengesundheit: „Bei etwa zwei Dritteln der Astronautinnen und Astronauten kommt es zu einer Veränderung an den Augen. Dieses sogenannte Spaceflight-Associated Neuro-Ocular Syndrome (SANS) ist ein wichtiges medizinisches Risiko bei längeren Weltraummissionen”, sagt Dr. Claudia Stern, Augenärztin und Abteilungsleiterin Klinische Luft- und Raumfahrtmedizin. Mit dem Experiment Retinal Diagnostics werden Grundlagen für eine frühzeitige Diagnose und den gezielten Einsatz von Gegenmaßnahmen gelegt, die am :envihab in Zusammenarbeit von DLR und NASA entwickelt werden.

Für das Experiment DOSIS 3D MINI hat Matthias Maurer an zehn verschiedenen Stellen der Raumstation Sensoren angebracht, die Strahlungsbelastungen genau erfassen. Ziel dieses Langzeitexperiments ist es, die Strahlungsverteilung im Columbus-Modul in Abhängigkeit von der Flughöhe der Raumstation und der Sonnenaktivität zu bestimmen. Außerdem hat Matthias Maurer mit dem Experiment Touching Surfaces neuartige Oberflächen auf antimikrobielle Wirksamkeit unter Weltraumbedingungen untersucht. Denn Langzeitaufenthalte in einer Raumstation führen dazu, dass sich aus den mitgebrachten Mikroorganismen eine eigene Mikroflora entwickelt. Sie kann die Gesundheit der Menschen an Bord beeinträchtigen und Materialien schädigen, zum Beispiel wenn sich ein Biofilm bildet. Matthias Maurer berührte regelmäßig verschiedene Oberflächen mit seinen Fingern, um die Anhaftung von Mikroorganismen auf unterschiedlichen technischen Materialien und Strukturen zu erforschen. […]

Vollständige Quelle: DLR