
Papyrus
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Universität zu Köln
Akademienunion fördert Langzeitprojekt zur Erschließung von Papyri
Die Universität zu Köln ist an einem Forschungsprojekt federführend beteiligt, das ab 2026 neu in das Akademienprogramm, das gemeinsame Forschungsprogramm der deutschen Wissenschaftsakademien, aufgenommen wird.
In Kooperation mit ihrem Kollegen Professor Dr. Patrick Sänger an der Universität Münster, dem Center for the Tebtunis Papyri (UCLA) und dem Cologne Center for eHumanities haben apl. Professorin Dr. Charikleia Armoni und Professor Dr. Jürgen Hammerstaedt erfolgreich das Projekt „Die Krokodil- und Menschenmumien von Tebtynis: KI-gestützte Zusammenführung und editorische Erschließung hellenistischer Papyri der Bancroft Library (Berkeley)“ eingeworben.
Das Fördervolumen für dieses über 15 Jahre laufende Projekt beträgt insgesamt 4,34 Millionen Euro.
Das Projekt erforscht 20.000 Fragmente hellenistischer Papyri, die seit den 1930er Jahren in der Bancroft Library auf dem Campus der University of California in Berkeley (USA) lagern. Sie sind mit altgriechischen Texten unterschiedlichsten Inhalts beschriftet: Es handelt sich um Werke großer Literatur, königliche Erlasse, Teile amtlicher oder privater Korrespondenz, Verträge, offizielle Berichte, Steuerquittungen und viele andere Dokumente.
Rund 1.050 dieser Papyrusfragmente konnten bislang von der Forschung ganz oder teilweise erschlossen und publiziert werden. Der größte Teil dieser Sammlung ist jedoch noch unerforscht. Alle diese Schriftzeugnisse stammen aus derselben Grabungsstätte: Sie wurden im Winter 1899/1900 während archäologischer Ausgrabungen in der antiken Stadt Tebtynis (im heutigen Tell Umm el-Baragat im Fayum), einem wichtigen Kultzentrum des altägyptischen Krokodilgottes Sobek, entdeckt.
Die Fragmente waren in vorchristlicher Zeit zur Herstellung von Mumien von Menschen und Krokodilen wiederverwendet worden, die in der Nekropole der Stadt bestattet waren. Im Rahmen des Akademieprojektes will die Köln-Münsteraner Arbeitsgruppe die in der Bancroft Library aufbewahrten Objekte inhaltlich erschließen, editorisch bearbeiten und publizieren.
Durch den Einsatz geeigneter KI-gestützter Methoden (sogenanntes „fragment matching“) wollen die Forschenden die vielen tausend unerschlossenen Fragmente, die sich beim Herauslösen aus den Mumien ergaben, zusammenführen und so den immensen Quellenwert dieser hellenistischen Papyrussammlung voll ausschöpfen.
Das Akademieprojekt verfolgt das Ziel, ein internationales Netzwerk von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern für dieses Spezialgebiet aufzubauen, um mithilfe neuer methodischer Ansätze, die im Rahmen des Projekts zu entwickeln sind, papyrologische Quellen zu erschließen und so unsere Kenntnisse über das hellenistische Ägypten zu erweitern.
Unterstützt werden die Forschenden aus Köln und Münster bei dem umfassenden Editionsprojekt vom Center for the Tebtunis Papyri in Berkeley und dem Cologne Center for eHumanities (CCeH). Geplant ist eine Publikationsplattform, auf der die Ergebnisse des Projekts der internationalen papyrologisch-althistorischen Forschung und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Das Akademienprogramm dient der Erschließung, Sicherung und Erforschung weltweiter kultureller Überlieferungen.
Es ist derzeit das größte Langzeit-Forschungsprogramm für geistes- und sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung der Bundesrepublik Deutschland und wird von der Akademienunion koordiniert. Eine Chance auf Förderung haben nur exzellente Projekte von hoher wissenschaftlicher Relevanz mit einer Dauer von zwölf bis 25 Jahren. Die Finanzierung wird zur Hälfte vom Bund, zur Hälfte von den Ländern bereitgestellt.
Aktuell werden an den nordrhein-westfälischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen 15 Projekte über das Akademienprogramm gefördert. Die Fördersumme für die vier neuen Projekte in NRW beläuft sich auf insgesamt rund 42 Millionen Euro und haben eine für die Forschung ungewöhnlich lange Laufzeit zwischen 15 bis 25 Jahren.
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