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Sozialspiel GRUV

Förderung von Kleinkindern

Das interaktive und inklusive Sozialspiel GRUV soll die Entwicklung von Kindern zwischen zwei und sechs Jahren fördern. Entwickelt hat die Spielidee KISD-Student (TH Köln) Julian Marticke, die er jetzt in einer Kita testen wird. Bei der Produktion unterstützten ihn drei Labore am Campus Gummersbach. Eins vorweg: Dass Julian Marticke Vater geworden ist, ist nicht der Grund, warum sich der Designstudent beruflich mit Spielzeug beschäftigt. „Es war vielmehr vor zwei Jahren das Festival RoboLab im Kulturzentrum Odonien, das wir an der KISD unter Leitung von Prof. Lasse Scherffig mitentwickelt haben. Dabei stand die Inklusion im Fokus, mit der ich mich anschließend weiter beschäftigt habe.“ Und dass der 30-Jährige wieder – wie schon für seine Bewerbungsmappe der Köln International School of Design – ein Spielzeug als Gegenstand seiner Abschlussarbeit gewählt hat, sei für ihn mehr eine intuitive Entscheidung: Rückblickend schließe sich jetzt der Kreis.

Rund ist auch das Spielgerät, dass der gelernte Tischler entwickelt hat: Blaue Kugeln, die zwar alle gleich groß und geformt, aber in sieben unterschiedlichen Materialausführungen angelegt sind: Aus Holz, Baumwolle und Filz, Schaumstoff, Silikonkautschuk oder Latex, andere haben eine Bürstenoberfläche. Oder sind kleine Knetbälle oder Krachmacher und mit Hirse oder Reis gefüllt. Die genuteten Kugeln lassen sich durch rote, wie eine Art Mehrfachschlaufe geformte Gummibänder, miteinander zu allen möglichen zwei- und dreidimensionalen Formen und Figuren verbinden. GRUV, so der Name, ist ein interaktives Sozialspiel: Durch inklusive und gemeinschaftliche Interaktion soll die Entwicklung von Kinder zwischen zwei und sechs Jahren gefördert werden.

Bei seiner Konzeption hat Julian Marticke Spiel- und Entwicklungstheorien mit Ansätzen aus der Psychomotorik kombiniert: „Ziel von inklusivem Spiel ist, Unterschiede zwischen Kindern – seien es Fähigkeiten, Herkunft, Geschlecht – positiv wertzuschätzen. Durch positives Feedback, ein bestärkendes soziales Umfeld und Gemeinschaft können die motorischen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten von Kindern verbessert und eine positive Grundlage für ein inklusives Miteinander gebildet werden.“ Um GRUV bereits als Abschlussarbeit möglichst produkttauglich zu konzipieren, hat Marticke außerdem die Zertifizierungsvorgaben an die Spielzeugsicherheit für Kinder bis sechs Jahren berücksichtigt, was der komplizierteste Punkt seiner Arbeit gewesen sei. So konnte er bereits beim KISD-Parcours, der Ausstellung der studentischen Abschlussarbeiten, GRUV ersten kleinen Proband*innen zum Testen geben. Feste Regeln hat das Spiel keine. Doch wer einen kleinen Schubs benötigt, kann sich mit Spielkarten, die Marticke zusammen mit Pädagoginnen entwickelt hat, Anregungen holen. Zum Beispiel einen großen Baum mit vielen Ästen bauen, oder Körperformen nachbilden. Oder Materialpaare suchen. Große Rasseln bauen und damit Musikstücke begleiten. Und natürlich die verschiedenen Kugeln in ihren haptischen Eigenschaften entdecken.

Dass die Komponenten seines Spielgeräts nicht wie sonst üblich ein Einzelstück aus dem 3D-Drucker sind, sondern direkt in Serie gingen, verdankt Julian Marticke der Unterstützung vom Campus Gummersbach: Im Labor für Automatisierte Fertigung stellte Jan Schütt das Rohmaterial für die Formeinsätze bereit. Gefertigt wurden diese von Christoph Becker im Innovation Hub. Fabian Jasser und Michael Stricker übernahmen dann im Polymer-Labor das Spritzgießen der Gummi-Verbinder aus Thermoplastischen Elastomeren. Jetzt plant der Designer Marticke, das Spielzeug in einer Kita zu testen. Auch kann er sich vorstellen, daraus ein Start-up zu entwickeln und sich um ein Gründerstipendium zu bemühen. „Das muss ich aber noch abwägen. Wenn man mit Kind studiert und das Studium dadurch länger dauert, geht das finanziell doch an die Substanz.“

Vollständige Quelle: TH Köln