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Projekt „next generation“

Flexible Roboterlösungen für inklusive Arbeit

Menschen mit einer komplexen Schwer-Mehrfachbehinderung werden im Arbeitsleben oftmals unterhalb der persönlichen kognitiven Fähigkeiten eingesetzt. Innovative, assistierende Technologien sollen das bisher nicht berücksichtigte, arbeitsmarktrelevante Potential von Menschen mit Behinderung ausschöpfen und ihnen den barrierefreien und inklusiven Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen.

Die Fachhochschule des Mittelstands (FHM), das Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik (IGMR) – RWTH Aachen sowie die Caritas Wertarbeit in Köln haben seit dem Jahr 2019 in dem gemeinsamen Projekt „Next-Generation“ an einer sogenannten Mensch-Roboter-Kollaboration geforscht und diese in zwei Werkstätten der Caritas Wertarbeit in Köln etabliert. Jetzt ist das Projekt abgeschlossen und die Roboter kommen auf dem Gut Frohnhof der Caritas Wertarbeit in Köln zum Einsatz. Geprüft wird dort nun die Übertragungsmöglichkeit des Kölner Modells auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Gegenstand des gemeinsamen Forschungsprojektes war die Zusammenarbeit von Menschen und Robotern – das bedeutet, dass die Maschine den Menschen nicht ersetzt, sondern die Fähigkeiten des Menschen ergänzt und ihm belastende und repetitive Arbeiten abnimmt. Alexandra Schmidt, Beschäftigte auf dem Gut Frohnhof der Caritas Wertarbeit, hat von Anfang an mit Begeisterung am Projekt teilgenommen und sagt: „Zusammen mit dem Roboter kann ich selbstständig arbeiten – und zeigen, was ich kann!“ „Ziel ist es, die Menschen ihren individuellen Kompetenzen und Fähigkeiten entsprechend so zu unterstützen und zu fördern, dass ihnen die bestmögliche berufliche und persönliche Entwicklungsmöglichkeit gegeben wird. Wichtig ist hierbei insbesondere die Fähigkeitsanalyse zur Erstellung von individuellen Profilen, um eine möglichst optimale Arbeitsplatzsituation für die Mensch-Roboter-Zusammenarbeit zu ermöglichen“, so Prof. Dr. Nicole Stollenwerk von der FHM.

Motivator und Initiator des Projektes war Prof. Dr.-Ing. Mathias Hüsing, stellvertretender Institutsleiter des IGMR der RWTH Aachen University. „Ich bin sehr stolz auf die Ergebnisse des Projektes, die die ursprünglichen Ziele übertreffen. Hierfür danke ich allen Mitarbeitenden im Team! Wir haben nicht nur gezeigt und umgesetzt: Kollaborierende Robotik bietet behinderten Menschen erweiterte, motivierende und zukunftsfähige neue Arbeitsformen, sondern wir sind noch einen Schritt weiter gegangen. Wir haben es geschafft, eine Methode zu entwickeln, die individuellen Möglichkeiten des behinderten Menschen anhand allgemeiner Prozesse wie zum Beispiel Montage, Qualitätskontrolle, Verpackung, sowie Fähigkeiten der kollaborativen Robotik zu matchen und damit einen Weg aufgezeigt, individualisiert Cobot-Arbeitsplätze zu entwickeln. Dieses ist ein wichtiger Schritt in Richtung erster Arbeitsmarkt. Wir nutzen hierbei Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Die Freude der Nutzer*innen sind sehr motivierende Früchte unserer aller Arbeit.“

Ein erstes Zusammentreffen der Roboter mit den Projektbeteiligten fand im April 2021 statt. Dieser Erstkontakt wurde von Seiten des Projektteams beobachtet, dokumentiert und ausgewertet. Im nächsten Schritt wurde die Bedienung der Roboter für die Beschäftigten optimiert. „Die Beschäftigten gingen neugierig und aufgeschlossen mit der neuen Situation um und zeigten keine Berührungsängste gegenüber den Roboterarmen. Sie äußerten, dass ihnen die Begegnung viel Freude bereitet hat und sie gerne häufiger und länger Aufgaben mit einem Roboter erledigen möchten“, fasst Matthias Grote, Leistungsbereichsleitung Arbeit und Beschäftigung II beim Caritasverband für die Stadt Köln e.V. die Vorstellung der roboterunterstützten Arbeitsplätze zusammen.

Vollständige Quelle: FHM