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Long-COVID

Mildes Covid hat Langzeitfolgen

Interview mit Prof. Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln,

Laborjournal: Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Long COVID“?
Dahinter verbirgt sich ein Spektrum an Langzeitfolgen, sobald Patienten von der Akuterkrankung COVID-19 genesen sind. Manche Betroffene zeigen noch Wochen bis Monate nach einer SARS-CoV-2-Infektion chronische Ermüdungserscheinungen, Kurzatmigkeit oder Leistungsminderungen – und zwar selbst nach milden COVID-19-Verläufen. Manchmal treten sogar neue Symptome erstmals nach einem beschwerdefreien Intervall auf. Ein einheitliches Krankheitsbild existiert allerdings noch nicht. Auch wie schwerwiegend und gefährlich die Spätfolgen sind, können wir noch nicht einschätzen. Dafür müssen wir die nächsten zwei bis drei Jahre abwarten. […]

Gibt es Unterschiede in der Art der Long-COVID-Symptome bei milden oder schweren COVID-19-Verläufen?
Nur in ihrem Schweregrad. Langzeitfolgen sind bei schweren Verläufen natürlich wahrscheinlicher. Intensivpatienten erholen sich selten in nur ein paar Wochen, wenn sie sich infolge ihrer vielen Organschäden überhaupt komplett erholen. Aber auch symptomlose Patienten können nach Wochen feststellen, dass sie weniger leistungs- und konzentrationsfähig sind und schnell ermüden. Zwanzig bis fünfzig Prozent aller ­COVID-19-Patienten zeigen nach sechs Monaten noch mindestens ein Symptom. […]

Sind Profisportler denn genauso häufig betroffen wie der Normalbürger?
Nein, sie sind natürlich besser geschützt. Wer fit ist, verfügt über ganz andere körperliche Ressourcen. In Zahlen werde ich das zwar erst in einigen Monaten ausdrücken können. Aus unserer Erythrozytenstudie weiß ich aber, dass Athleten ebenfalls betroffen sind. Und deren Fallzahlen nehmen aktuell leider wieder zu. Beispielsweise infizierten sich bei den Leichtathletik-Halleneuropameisterschaften Anfang März 2021 auf einen Schlag über fünfzig deutsche Teilnehmer.

Stechen bei Profisportlern im Vergleich zum Normalbürger bestimmte Long-COVID-Symptome hervor?
Sportlern geht es natürlich meist um die Leistungsfähigkeit. Wenn sie zu uns kommen, sind sie kurzatmig, aerob kaum belastbar und haben erhöhte Herzfrequenzen. Zum Beispiel infizierte sich im letzten Oktober die deutsche Box-Olympiastaffel – ­und 55 Prozent der Nationalmannschaft zeigte drei Monate später noch eine um fünf bis fünfzehn Schläge erhöhte Ruheherzfrequenz. Das ist zwar ein unspezifisches Symptom, weist aber dennoch auf eine unvollständige Erholung hin. […]

Können Sie Risikofaktoren für Long COVID benennen, sowohl für Sportler wie auch für die Allgemeinbevölkerung?
Für alle Menschen greifen die gleichen Risikofaktoren wie für COVID-19, also Lebensalter, Übergewicht, Vorerkrankungen der Lunge und des Immunsystems. Übergewicht könnte für Long COVID von besonderer Bedeutung sein, da Adipozyten vermehrt ACE2-Rezeptoren tragen. Fällt durch SARS-­CoV-2-­Befall die Konvertierung von Angiotensin II zu Angiotensin (1-7) weg, greift dessen Pathomechanismus besonders. Fettgewebe schüttet dann vermehrt entzündungsfördernde Zytokine aus und verringert die Heilungschancen. […]

Was würden Sie gesellschaftspolitisch anders regeln?
Bloch: Im Profi- und Wettkampfbetrieb wäre ich vorsichtiger, während ich Sportangebote breitflächiger anbieten würde – und zwar in geschlossenen und konstanten Kleingruppen. Denn Sport ist Prävention. Trainierte Menschen haben weniger Risikofaktoren und somit auch ein geringeres Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf sowie Langzeitfolgen. Unter den Pandemiemaßnahmen vermisse ich Kampagnen, die die Allgemeinheit der Bevölkerung trotz geschlossener Fitnessstudios und Sportplätze in Bewegung halten. Entscheidungsträger sollten darauf achten, dass nicht nur Profisportler, sondern auch die Allgemeinbevölkerung in körperlicher Aktivität bleiben kann. […]

Vollständige Quelle: Laborjournal | DSHS