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Do. 09.12.2021

Queere Fabulationen

Im Herbst 1976 enterten die „Wällehexe“ (Wellenhexen) in Zürich eine unbelegte UKW-Frequenz. Wie in den meisten anderen europäischen Ländern, galt das in der Schweiz als illegale Nutzung der staatlich kontrollierten Rundfunkwellen. Im Wissen darum teilten sich die Wellenhexen in zwei voneinander getrennte Funktionsgruppen: Während die öffentliche Redaktionsgruppe als Teil der Frauenbefreiungsbewegung zumeist legal in der Stadt agierte, sorgte eine klandestine Techniker*innengruppe im stadtnahen Umland für die nicht genehmigte Radioübertragung.
Das Aneignen der Radiotechnik verstanden die Frauen als Erweiterung des Mediums Flugblatt. Handelsübliche Tonbandgeräte, immaterielle Radiowellen und mobile und ins Land geschmuggelte Sendeanlagen erweiterten den Radius der Mobilisierung und Vermittlung für ihre Kämpfe. Dabei brachte das soziotechnologische Gefüge der Wellenhexen ‚unerhörte‘ Themen zu Ohr, zu denen Erfahrungsberichte mit genitalen Selbstuntersuchungen und Schwangerschaftsabbrüchen gehörten. Anhand von Klangbeispielen untersucht der Vortrag die eigenwillige Radiopraxis und -ästhetik der Wellenhexen. Wie lässt sich ihr kollektiv-radiophoner Alltagswiderstand beschreiben? Welche dominierenden Radiopraxen querten sie?

Wann

09.12.2021
16:00 Uhr

Wo

online

Kosten

keine

Anmeldung

nicht erforderlich
Link zum Online-Vortrag
Meeting-ID: 995 8092 9172, Passwort: 931027

Veranstalter

Kunsthochschule für Medien Köln

Referierende

Anna Bromley

Weitere Infos

Das gesamte Programm der Ringvorlesung: https://gestik.uni-koeln.de/aktuelles-1/ringvorlesung