Instrument-Buch-Apian

Bild: Peter Apianus, Instrument-Buch

Di. 21.04.2026

DLR-Astroseminar | Von der Entwicklung und dem hohen Wert der Himmelsmechanik

Zum 31. Mal findet im Zeitraum vom 14. April bis 19. Mai 2026 das DRL-Astroseminar statt. Sechs Beiträge geben einen Einblick in das faszinierende Thema „Astronomische Beobachtungskunst – wie Messtechniken Weltbilder prägen“. An den kostenfreien Seminarvorträgen können Sie vor Ort im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Standort Köln-Porz sowie per Stream teilnehmen. Die Reihe beginnt mit dem folgenden Thema.

Von der Entwicklung und dem hohen Wert der Himmelsmechanik

Himmelsmechanik ist eine klassische Teildisziplin der Astronomie, die sich mit der Bewegung von Himmelskörpern beschäftigt. Das Herzstück der Himmelsmechanik bildet das sogenannte N-Körper-Problem: Wie bewegen sich mehrere Himmelskörper (Einfachheit halber als „Punkte“ betrachtet) unter dem Einfluss ihrer gegenseitigen Anziehungskräfte?

Was zunächst relativ simpel klingt, hat sich als eine der größten wissenschaftlichen Herausforderungen der letzten Jahrhunderte erwiesen. Der Vortrag bietet einen Überblick über verschiedene Varianten dieses Problems und zeigt, wie bedeutende Wissenschaftler wie Newton, Euler, Lagrange, Laplace und Gauß die Grundlagen der Himmelsmechanik gelegt haben.

Anschauliche Beispiele machen die Komplexität und Faszination des Themas greifbar: Wie gelang es Astronomen im Jahr 1846, den
Planeten Neptun „theoretisch“ zu entdecken, bevor er überhaupt beobachtet wurde? Wie lassen sich Planeten- und Satellitenbewegungen mit „sich küssenden“ Bahnelementen beschreiben? Und was hat die langfristige Stabilität des Sonnensystems mit Schweizer Emmentaler zu tun?

Anschließend geht der Referent auf moderne Erweiterungen der Himmelsmechanik ein. Eine davon ist die relativistische Himmelsmechanik, die das klassische N-Körper-Problem anhand von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie neu interpretiert. Ihre Anwendungen reichen von der Präzision heutiger GPS-Systeme bis hin zu Gravitationswellen, die beim Verschmelzen von Neutronensternen und Schwarzen Löchern entstehen.

Ebenso wird die sogenannte „magnetophotogravitative“ Himmelsmechanik vorgestellt, die neben der Gravitation auch den Einfluss von Magnetfeldern und Sternstrahlung berücksichtigt. Diese spielt eine wichtige Rolle beispielsweise bei der Erforschung von Kometen- und Asteroidengürteln um andere Sterne – und hilft sogar bei der Entdeckung von Planeten, die solche fernen „Sonnen“ umkreisen.

Über den Referenten

Prof. Dr. Alexander Krivov, Jahrgang 1962, studierte auf Diplom Astronomie an der Universität Sankt-Petersburg und war dort von 1983 bis 1999 als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Hochschuldozent am Lehrstuhl für Himmelsmechanik tätig. Im Jahr 1988 promovierte er im Bereich Relativistische Himmelsmechanik und Astrometrie.

Nach einem Forschungsaufenthalt als Alexander-von-Humboldt-Stipendiat am Max-Planck-Institut für Aeronomie in Katlenburg-Lindau nahe Göttingen (1999-2000) arbeitete er von 2000 bis 2004 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Potsdam. 2002 habilitierte er sich.

Seit 2004 lehrt und forscht er als Professor für Astrophysik an der Universität Jena, wo er eine Arbeitsgruppe für
Theoretische Astrophysik leitet und von 2015 bis 2024 Sprecher der DFG-Forschungsgruppe „Trümmerscheiben in Planetensystemen“ war.

Wann

21.04.2026
15:30 – 17:30 Uhr

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Wo

DLR | Konferenzzentrum, Linder Höhe, 51147 Köln

Kosten

Eintritt frei

Anmeldung

In Präsenz unter diesem Link, im Stream unter diesem Link

 

 

Veranstalter

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

Referierende

Prof. Dr. Alexander Krivov