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KI-gestützte EKG-Auswertung kann Herzinfarktdiagnostik verbessern

Forschungsförderpreis 2025 der Hans und Gertie-Fischer Stiftung

Eine Arbeitsgruppe der Klinik III für Innere Medizin im Herzzentrum der Uniklinik Köln hat untersucht, ob eine künstliche Intelligenz (KI) bei der Auswertung von EKGs akute Herzinfarkte zuverlässiger erkennen kann als die herkömmliche ärztliche Beurteilung.

Die Studie wurde von Dr. Sascha Macherey-Meyer aus der Arbeitsgruppe Klinische Kardiologie und Intensivmedizin geleitet, der dafür mit dem Forschungsförderpreis 2025 der Hans und Gertie-Fischer Stiftung ausgezeichnet wurde.

Im Mittelpunkt der Forschung stand die Frage, ob ein KI-Modell dabei helfen kann, akute Koronarverschlüsse – also plötzliche Verschlüsse von Herzkranzgefäßen – schneller und sicherer zu erkennen, um rechtzeitig eine lebensrettende Notfallkoronarangiographie einzuleiten.

Bisher gilt das sogenannte ST-Hebungsinfarkt-EKG (STEMI) als Referenzstandard für diese Entscheidung. Allerdings zeigen nicht alle akuten Koronarverschlüsse diese typischen Veränderungen im EKG. Zudem hängt die Erkennung bestimmter Hochrisiko-Muster stark von Erfahrung und Expertise der behandelnden Ärztinnen und Ärzte ab.

In einer retrospektiven Registerstudie an der Uniklinik Köln wurden die EKGs von mehr als 4.000 Patientinnen und Patienten mit Brustschmerzen analysiert. Das KI-Modell erkannte akute Koronarverschlüsse deutlich zuverlässiger als die klassischen STEMI-Kriterien. Gleichzeitig führte der Einsatz der KI nicht zu mehr unnötigen Notfalluntersuchungen.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Patientinnen und Patienten mit einem akuten Koronarverschluss ohne typische STEMI-Zeichen wurden bislang deutlich später behandelt als klassische STEMI-Patienten. Die KI könnte dazu beitragen, diese Verzögerung künftig zu verkürzen und die Versorgung zu verbessern.

„Die KI-gestützte EKG-Interpretation hat das Potenzial, auch schwer erkennbare Herzinfarkte frühzeitig zu identifizieren“,

so Dr. Macherey-Meyer.

Ob sich dieser Vorteil auch im klinischen Alltag bestätigt und zu besseren Behandlungsergebnissen führt, soll nun in prospektiven Studien weiter untersucht werden. Die Arbeit wurde im Dezember 2025 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.

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