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Hinter den Kulissen: Prof. Wagner

Forschende aus Köln stellen sich vor

Kurzinterview mit Prof. Dr. Claudia Wagner von der GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften

Sie leiten beim gesis die Abteilung „Computational Social Science“. Was kann man sich unter dieser Bezeichnung vorstellen?
Computational Social Science ist ein Forschungsfeld, welches neben sozialen und politischen Phänomenen (wie zum Beispiel Polarisierung und Populismus) auch soziotechnische Phänomene (wie z.B. algorithmische Benachteiligungen und Filter Blasen) mit Hilfe von neuartigen Datentypen und Technologien untersucht. Diese neuartigen Datentypen bezeichnen wir als digitale Verhaltensdaten. Sie werden von Menschen produziert, wenn sie digitale Technologien nutzen und können der Wissenschaft z.B. über Datenspenden zur Verfügung gestellt werden.

Das Ziel meiner Abteilung ist es, Methoden und Werkzeuge für die Sozialwissenschaften zu entwickeln und bereitzustellen, um digitale Verhaltensdaten zu erschließen, anzureichern, zu analysieren und anderen Wissenschaftler*innen zu Verfügung zu stellen.

Sie organisieren interdisziplinäre Trainings für Nachwuchswissenschaftler*innen. Warum ist ein solches Training wichtig?
Digitale Verhaltensdaten fallen in vielen Bereichen unseres Lebens an (z.B. bei der Arbeitssuche, der Partnersuche, dem Einkauf oder der Navigation). Deshalb sind diese Daten auch für viele Bereiche in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften so relevant. In diesen Studiengängen werden aber häufig keine oder kaum Informatik-Kompetenzen vermittelt. Die Kompetenzen sind aber nötig um digitale Verhaltensdaten zu erheben, zu erschließen, aufzubereiten, zu analysieren und zu archivieren. In diesem Bereich bieten wir bei GESIS Trainings für Nachwuchswissenschaftler*innen an.

Die Analyse von Instrumenten der Datenverfolgung gehört zu Ihrem Fachgebiet. Wer profitiert von Ihren Analysen?
Wissenschaftler*innen die mit diesen Daten arbeiten wollen. Der Nutzen von Daten für die Wissenschaft hängt ganz klar von der Qualität der Daten ab. Hierzu muss man die unterschiedlichen Fehlerquellen im Datenerhebungsprozess kennen und kontrollieren. Zum Beispiel wissen wir, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen auf digitalen Plattformen unter- bzw. überrepräsentiert sind. Wir wissen auch, dass Plattformen einen Einfluss auf das Verhalten haben und dass dieser Einfluss sich über die Zeit ändern kann. Diese Faktoren müssen im Analyse- und Erhebungsprozess berücksichtigt werden.

Inwieweit nimmt Ihre Forschung auch Einfluss auf Ihr Privatleben und was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Ich beobachte natürlich auch als Privatperson wie sich digitale Plattformen und Technologien entwickeln und dann irgendwann wieder abgelöst werden. Trotzdem, oder gerade deshalb, verbringe ich auch gerne Zeit „offline“. Die besten Ideen entwickeln sich immer in Gesprächen mit Freund*innen und Arbeitskolleg*innen.

ZUR PERSON
Prof. Dr. Wagner promovierte im Themenfeld “Computer Science” an der Technischen Universität. Heute ist sie Professorin für “Applied Computational Social Science” an der RWTH Aachen und wissenschaftliche Direktorin im Fachbereich “Computational Social Science” am GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. Zuvor arbeitete sie als Professorin für “Data Science” an der Universität Koblenz-Landau und als Teamleiterin im Bereich „Data Science“ am GESIS untersuchte sie soziale Phänomen in Sozialen Netzwerke und Sozialen Medien (offline und online). Ihr primäres Forschungsinteresse liegt in der Untersuchung methodischer Ausforderungen an digital aufgezeichnete Daten, um daraus Modelle für menschliche Verhaltensweisen und Einstellungen sowie Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft abzuleiten.