© Bart van de Voort

Hinter den Kulissen: Prof. Lichtenthaler

Forschende aus Köln stellen sich vor

Kurzinterview mit Prof. Dr. Ulrich Lichtenthaler von der International School of Management (ISM)

Sie leiten das Entrepreneurship Institute an der ISM – wofür steht das Institut?
Das Entrepreneurship Institute, das ich gemeinsam mit meinem Kollegen Prof. Dr. Horst Kutsch leite, bildet ein praxisorientiertes Kompetenzzentrum zu den Themen Unternehmensgründung, Geschäftsmodelle, Innovation, digitale Transformation und künstliche Intelligenz. Unsere Aktivitäten umfassen die Säulen Research, Education und Consulting.

Der Bereich Research beinhaltet angewandte Forschung sowie praxisbezogene Kooperationsprojekte, z.B. das Projekt ‚Kölner Veedel als lokaler Leuchtturm‘ zur Erarbeitung eines Loyalitätsprogramms für den Einzelhandel gemeinsam mit mehreren Partnern. Der Bereich Education betrifft den spezialisierten Masterstudiengang für Entrepreneurship an der ISM. Außerdem bieten wir Schulungen und Coachings für etablierte Firmen sowie Gründer an und veranstalten regelmäßig hochkarätige Events wie den ISM Entrepreneurship Summit, bei dem u.a. Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart sowie Carsten Maschmeyer Vorträge gehalten haben. Der Bereich Consulting umfasst Beratung für Unternehmen und Gründer ebenso wie für gründungsinteressierte Studierende an allen sieben Standorten der ISM deutschlandweit.

Außerdem haben wir gemeinsam mit dem Präsidenten der ISM, Prof. Dr. Ingo Böckenholt, den jährlichen ISM Gründerwettbewerb ins Leben gerufen, wodurch der Gründerspirit an der Hochschule noch weiter gestärkt wird. Es ist immer wieder faszinierend, welch spannende Ideen, Konzepte und Startups von unseren Studierenden entwickelt werden!

Wer profitiert von den Forschungsergebnissen?
Aufgrund der starken Praxisorientierung gehen unsere Aktivitäten über reine Forschungserkenntnisse hinaus. Zum Beispiel unterstützen wir die Studierenden aktiv bei der Umsetzung ihrer Gründungsvorhaben. Außerdem liegt mir die Zusammenarbeit mit den Firmen der Region besonders am Herzen. Neben erfolgreichen großen Unternehmen gibt es in und um Köln so viele großartige Mittelständler und Familienunternehmen! Diese Firmen haben oft herausragende Kernkompetenzen in traditionellen Technologie- und Marktfeldern und stehen jetzt vor der Herausforderung, auch in einem von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz geprägten Wettbewerb erfolgreich zu bleiben. Dabei zeigen meine Projekte immer wieder, dass mit diesem Wandel nicht nur Risiken, sondern auch große Chancen verbunden sind. Ein kleiner Impuls von außen kann oft schon viel bewirken, z.B. durch neue Methoden und Konzepte für digitale Geschäftsmodelle oder auch die Erschließung neuer Märkte mit bestehenden Ressourcen aufgrund Corona-bedingt begrenzter Innovationsbudgets.

Die Erforschung, Weiterentwicklung und Hinterfragung von künstlicher Intelligenz (KI) gehört zu Ihren Arbeitsschwerpunkten. Was begeistert Sie an der Thematik?
Künstliche Intelligenz im weiteren Kontext der digitalen Transformation bildet für Unternehmen in vielen Branchen eine der größten Herausforderungen und Chancen der nächsten Jahre. Ich konzentriere mich in meinen Praxisprojekten nicht auf technische Aspekte wie die Entwicklung neuer Algorithmen, sondern auf die Management-Implikationen für Fach- und Führungskräfte. Dabei ist es weder hilfreich, die Zukunftsaussichten schwarzzumalen, noch sollte künstliche Intelligenz als kurzfristiger Trend abgetan werden. Vielmehr bilden intelligente Algorithmen sowie komplexe Datenanalytik die nächste Stufe des technologischen Wandels und es handelt sich dabei keinesfalls um selbständig agierende Roboter aus Science-Fiction Szenarien. Für Unternehmen ergeben sich aktuell neue Chancen für Effizienzsteigerung ebenso wie für Innovation und Wachstum. Viele Vorteile entstehen nicht durch die Automatisierung menschlicher Arbeit, sondern durch integrierte Intelligenz, also die zielgerichtete Kombination von künstlicher Intelligenz und Datenanalytik einerseits mit menschlicher Intelligenz und den Kompetenzen der Mitarbeiter andererseits.

In meinem aktuellen Buch ‚Integrierte Intelligenz‘ beschreibe ich ein schrittweises Vorgehen für die strategische Nutzung von künstlicher Intelligenz, das sich in zahlreichen Praxisprojekten bewährt hat. Um langfristig von künstlicher Intelligenz zu profitieren, sollten Unternehmen über einzelne intelligente Tools hinausdenken, doch das passiert leider noch viel zu selten.

Inwieweit spielt künstliche Intelligenz auch in Ihrem privaten Umfeld eine Rolle und was machen Sie am liebsten, wenn Sie nicht arbeiten?
Künstliche Intelligenz spielt nicht nur bei mir, sondern bei uns allen eine deutlich größere Rolle als meist gedacht. Dabei handelt es sich nicht nur um typische Anwendungsbeispiele wie Amazons Alexa oder künftig auch autonom fahrende Autos. Allein schon beim Verfassen von Smartphone-Nachrichten freuen wir uns in aller Regel über Textvorschläge, die mithilfe von künstlicher Intelligenz immer besser werden. Vieles davon passiert im Hintergrund, sodass wir als Endnutzer kaum etwas bemerken. Sofern wir einen persönlichen Vorteil davon haben, stehen die meisten Personen der Nutzung künstlicher Intelligenz offen gegenüber. Zum Beispiel werden sich künftig viele Kölner Autofahrer gerade in der Hauptverkehrszeit über autonomes Fahren freuen. Das gilt auch für mich – aber meine übliche Jogging-Runde am Rhein wird natürlich weiterhin zu Fuß erfolgen.

ZUR PERSON
Prof. Dr. Ulrich Lichtenthaler ist Professor für Management und Entrepreneurship an der International School of Management (ISM) in Köln. Er hat im Bereich des Technologiemanagements promoviert und in seiner vorherigen Tätigkeit als Top Management Berater über 20 Projekte zu digitaler Transformation, künstlicher Intelligenz und Innovation erfolgreich abgeschlossen. Als praxisorientierter Experte wird er regelmäßig als Keynote Speaker, Executive Coach und freiberuflicher Berater gebucht. Er hat mehrere Bücher und Artikel veröffentlicht, darunter sein aktuelles Buch im Campus Verlag ‚Integrierte Intelligenz: Wettbewerbsvorteile erzielen durch die Kombination menschlicher und künstlicher Intelligenz‘.