© Studio Schloen/Ellwardt

Hinter den Kulissen: Prof. Ellwardt

Forschende aus Köln stellen sich vor

Kurzinterview mit Jun.-Prof. Dr. Lea Ellwardt von der Universität zu Köln

Was hat Sie dazu bewogen an der Universität zu Köln im Institut für Soziologie und Sozialpsychologie (ISS) tätig zu werden?
Nach meiner achtjährigen Forschungstätigkeit an der Universität Groningen in den Niederlanden war klar, dass ich weiterhin theoretisch fundiert und empirisch analytisch arbeiten möchte. Das ISS an der Universität zu Köln ist führend: Es belegt seit Jahren den ersten Platz unter den deutschen Soziologie-Instituten und gehört weltweit zu den Top-50. Das signalisiert, dass das Institut besonders stark in der Forschung aufgestellt ist. Zusätzlich passt mein Fokus der Alternsforschung ausgezeichnet in die hiesigen Schwerpunkte zu Demografie und soziale Ungleichheit, was die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen attraktiv macht.

Mit welchen aktuellen Forschungsfragen beschäftigen Sie sich derzeit?
Aktuell interessiere ich mich vordergründig für die sozialen Faktoren eines gesunden und langen Lebens. Meine Arbeit ist also angesiedelt in der Alternsforschung und Sozialepidemiologie. In der Vergangenheit habe ich beispielsweise untersucht, wie die Integration in soziale Beziehungsnetzwerke mit Kognition und Sterblichkeit im Alter zusammenhängt. Dabei greife ich in der Regel auf Langzeitstudien zurück, welche ältere Menschen mit ihren Lebensumständen und Gesundheitszuständen über Jahrzehnte begleitet haben. Die Daten dieser Studien werte ich mit statistischen Analyseverfahren aus. Basierend darauf kann ich sagen, dass Menschen mit wenigen Sozialkontakten eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, an Demenz zu erkranken und eine geringere Lebenserwartung als Menschen mit vielen Sozialkontakten.

Aus gegebenem Anlass untersuche ich aktuell zudem die Entwicklung von psychischer Gesundheit über den Pandemieverlauf. Während des ersten Lockdowns in England litt beispielsweise eine von fünf Personen unter deutlich erhöhtem Stress, während immerhin vier von fünf Personen eine stabile Entwicklung durchlebten.

Welche Aufgaben haben Sie als Mitglied der „Deutsche Gesellschaft für Soziologie“ und inwiefern profitiert Ihre Hochschule davon?
Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie ist in thematische Sektionen unterteilt. Seit über vier Jahren engagiere ich mich im Sprecherkreis (eine Art Vorstand) der Sektion zum Thema „Soziologische Netzwerkforschung“. Mit den Forscherinnen und Forschern dieser Sektion plane ich regelmäßig themenbezogene Veranstaltungen auf nationalen und internationalen Konferenzen. Darüber hinaus habe ich selbst in Köln bereits zwei Tagungen zum Thema „Soziale Netzwerke“ organisiert, wozu die Teilnehmer dann auch zahlreich erschienen. Insofern profitiert die Hochschule von einer erhöhten Vernetzung und Sichtbarkeit.

Soziale Netzwerke und Gesundheit im Alter ist eines Ihrer Forschungsschwerpunkte. Welchen Stellenwert hat das Thema für Sie privat?
Die Wahl des Themas war keine zufällige. Schon immer wollte ich mehr wissen über den Zusammenhang von sozialen Beziehungen mit Gesundheit. Da ich nun etwas mehr weiß über die substantielle Bedeutung sozialer Integration – zum Vergleich: dauerhafte Isolation ist ungefähr so schädlich wie Rauchen – achte ich auf den entsprechenden Ausgleich. Gerne verlebe ich Freizeitaktivitäten bewusst in Gesellschaft. Dadurch hoffe ich außerdem, meinen Kindern zu zeigen: Familie und Freunde sind wichtig!

ZUR PERSON
Jun.-Prof. Dr. Lea Ellwardt promovierte 2011 am Institut für Soziologie der Universität Groningen in den Niederlanden. Danach arbeitete sie vier Jahre als Postdoc-Forscherin am selben Institut. Gleichzeitig war sie Mitglied des Graduiertenkollegs ICS Interuniversity Center for Social Science Theory and Methodology. Im Jahr 2014 wurde sie an das Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität zu Köln berufen. Neben ihrer Forschung lehrt sie dort Promotionskurse zu Forschungsdesign. Seit 2016 gehört sie zum Sprecherkreis der DGS-Sektion Soziologische Netzwerkforschung. Lea Ellwardt hat zahlreiche Aufsätze zum Thema soziale Netzwerke älterer Menschen in internationalen Zeitschriften veröffentlicht.