© P. Leclaire

Hinter den Kulissen: Prof. Burkhardt

Forschende aus Köln stellen sich vor

Kurzinterview mit Prof. Jan Burkhardt von der Hochschule für Musik und Tanz (HfMT)

Sie sind Dozent im Zentrum für Zeitgenössischen Tanz – was genau machen Sie da?
Ich unterrichte zeitgenössische Tanztechnik, Körperbewusstheitsmethoden und choreographisches Arbeiten, insbesondere auch im Zusammenhang mit anderen künstlerischen Medien wir Musik und bildender Kunst. Darüber hinaus begleite ich Studierende in ihrer Entwicklung, und bin involviert in die Planung des Curriculums und der Kommunikationsstrukturen der Hochschule.

Mit uniarts Stockholm sind Sie in einem mehrjährigen künstlerischen Forschungsprojekt aktiv. Was sind die Inhalte und Ziele des Projekts?
Mit meiner dortigen Kollegin Cecilia Roos habe wir uns über 3 Jahre vor Allem mit „Nebenwirkungen“ von zeitgenössischer Tanzpraxis befasst, man kann sagen, was um den Tanz herum in einem Proben- oder Unterrichtsgeschehen passiert.

Es fällt auf, dass Tänzer*innen oft beeindruckende „soft skills“ entwickeln, wie etwa Empathiefähigkeit. Oft sind sie auch überdurchschnittlich gut darin, komplexe kollektive Strukturen entstehen zu lassen und darin zu wirken. Das macht die Tanzwelt auch als eine Art Mikrokosmos für die Gesellschaft allgemein interessant, gerade auch in Zeiten von Wandel und Unsicherheit, und der damit einhergehenden Notwendigkeit neue Wege des Zusammenlebens zu entwickeln und zu probieren.

Was versteht man unter dem „Fundament choreographischer Prozesse“ und warum sind diese in der Tanzforschung wichtig?
Ein Fundament für einen choreographische Prozess kann aus inner- aber auch aus außerkünstlerischen Prinzipien erwachsen. Mit „innenkünstlerisch“ meine ich hier etwa Wissen und Fähigkeiten – sprich „Handwerk“ – wie Tanztechnik, Körperbewusstseinsprozesse, Wirkung von Raumordnungen, Dramaturgie, Musik und Klang etc. Neben all diesem liegt jedem choreographischem Prozess freilich auch allgemein menschliches zugrunde: etwa Fragen nach sozialem und ökologischem Zusammenleben, Begehren, Ästhetik, konzeptuelles Denken und nicht zuletzt Intuition.

Fundamente zu verstehen heißt das eigene künstlerische Selbst reflektieren zu können, aber auch, die eigene Arbeit zugänglich zu machen – nicht zuletzt oder gerade auch für Menschen ohne spezielle Vorkenntnisse.

Woher kommt Ihre Begeisterung für den Tanz und inwieweit beeinfluss er Ihr Privatleben?
Ich verstehe Tanz als (m)eine Art, das Leben zu leben und zu versuchen zu verstehen sowie (mit) zu gestalten. Denn Tanzen ist Spüren und Machen, also emphatisch sein und tätig. Insofern ist Tanz auch aus meinem Privatleben nicht wegzudenken.

Im engeren Sinne nicht (etwa wenn wir mit unseren Kindern – meine Frau ist auch Tänzerin – manchmal laut Musik anmachen und Familiendisco feiern), so wenig wie im weiteren Sinne: denn in diesem kann – fast – alles als Tanz verstanden werden: spüren und handeln, das Verhandeln des Lebens.

ZUR PERSON
Prof. Jan Burkhardt gehört seit 2015 zu den festen Lehrkräften am Zentrum für Zeitgenössischen Tanz der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Im selben Jahr begann er mit Cecilia Roos (uniarts Stockholm) ein mehrjähriges künstlerisches Forschungsprojekt, in welchem sie sich mit Fragen des Sharings und der Wahrnehmung als Fundament choreographischer Prozesse befassen. Prof. Burkhardt hat außerdem eine Gastdozentur an der School of Dance and Circus (Stockholm) und an der Danish National School for Performing Arts (Kopenhagen) und ist im Tanzfeld als Performer, künstlerischer Leiter und Mentor aktiv.