© Beckenkamp/Michael Jungblut

Hinter den Kulissen: Prof. Beckenkamp & Prof. Urner

Forschende aus Köln stellen sich vor

Kurzinterview mit Prof. Dr. Martin Beckenkamp und Prof. Dr. Maren Urner von der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft

Was war für Sie der Impuls, sich mit dem Forschungsthema „Generationenkonflikt und Klimakrise“ zu beschäftigen?
Da unser Studiengang – wie der Name Medien- und Wirtschaftspsychologie schon verrät – seine Schwerpunkte in Medien und in Wirtschaft und deren Verknüpfung zu Psychologie hat, lag es nahe Inhalte einer Mediendarstellung aufzugreifen, in der ein Generationenkonflikt zwischen der jungen Generation Z und der alten Generation, den Boomern, behauptet und dargestellt wird. Dies betrifft sowohl einschlägige deutsche als auch US-amerikanische Medien. Die Datenlage dazu war aus unserer Sicht dünn, das Thema aktuell, und es konnte sehr gut in unsere Praxismodule im Studiengang Medien- und Wirtschaftspsychologie eingebracht werden. In dem sollen Studierende lernen, wie man ein Thema zur Vorbereitung einer eigenen Studie wissenschaftlich recherchiert und aufbereitet. Auf der Grundlage sollen sie dann eine eigene Studie durchführt und danach die erhobenen Daten analysieren und bewerten.

Ein Glücksfall dabei war, dass wir uns schon vor Beginn der Coronakrise entschlossen hatten, die Hausarbeiten auf einer Projekteigenen Wiki-Oberfläche (https://projekte.zum.de/wiki/Generationenkonflikt_und_Klimakrise) anlegen zu lassen. So lernten die Studierenden quasi „nebenbei“ auch ein wenig als Wiki-Autoren zu agieren – eine Fertigkeit, die auch in immer mehr Unternehmen aufgrund von unternehmenseigenen Wikis gefragt ist. Mit Hinblick auf die Corona-Pandemie erwies sich diese Entscheidung als absoluter Glücksfall, weil in der Kombination mit der Begleitung der Praxisgruppen im Digitalen ein gemeinsames Arbeiten an den Baustellen für die Hausarbeit und ein sehr guter Austausch zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen untereinander möglich war.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie sich in Bezug auf den Forschungskontext wünschen?
An Fachhochschulen bleibt wegen der hohen Lehrbelastung generell wesentlich weniger Zeit für Forschung als an Universitäten oder Forschungsinstituten. An privaten Hochschulen kommt noch eine deutlich intensivere Betreuung der Studierenden hinzu. Daher wünschen sich generell viele Professor*innen an Fachhochschulen mehr Freiräume und Möglichkeiten für eigene Forschung. Die enge Verbindung mit den Studierenden ist natürlich auch eine Chance, zu sehr aktuellen und „jungen“ Themen gemeinsam Daten zu erheben und in kleinen Pilotstudien erste Einblicke in mögliche Zusammenhänge zu erhalten.

Was machen Sie am liebsten, wenn Sie nicht gerade forschen?
Martin Beckenkamp: Ich habe mir angewöhnt, jeden Tag auch etwas Zeit an meinem Fitnesstrainer zu verbringen. Die Bewegung bringt einen guten Ausgleich zur sehr kopflastigen beruflichen Belastung. Weiterhin spiele ich aus Freude am Spiel auch gern am Klavier – im Urlaub lege ich auch mal eine „ernsthaftere“ Übungsphase ein und übe an neuen Stücken.

Maren Urner: Ich versuche meine Gedanken zu vermitteln und weiterzuentwickeln: Das passiert beim Schreiben und bei Veranstaltungen, egal ob Vorlesung, Vortrag oder Workshop. Auch vor Corona und Homeoffice ist dabei für mich Bewegung – am besten draußen und in der Natur – die beste Inspiration. Ich spreche ungern von „Ausgleich“, weil die Laufschuhe, das Rad und die Yogamatte genauso dazu gehören wie die tiefe Recherche und die Tastatur.

ZU DEN PERSONEN
Prof. Dr. Martin Beckenkamp studierte Psychologie und BWL an der Universität des Saarlandes, an der er auch 2001 habilitierte. Heute lehrt Prof. Beckenkamp an der HMKW unter anderem in den Bereichen Grundlagen der Psychologie, Einführung Wirtschaftspsychologie und Praxis der Medienpsychologie. Er arbeitet und forscht in den Feldern der Medien- und Wirtschaftspsychologie. Seine Expertise bringt er in folgende Organisationen ein, in denen er Mitglied ist: International Association for Research in Economic Psychology (IAREP), International Association for Sustainability in Common Pool Resources (IASCP), Gesellschaft für angewandte Wirtschaftspsychologie (GWPs), Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs).

Prof. Dr. Maren Urner studierte Kognitions- und Neurowissenschaften in Deutschland, Kanada und den Niederlanden und promovierte am University College London. 2016 gründete sie Perspective Daily mit, das erste werbefreie Online-Magazin für Konstruktiven Journalismus, leitete die Redaktion bis März 2019 als Chefredakteurin und war Geschäftsführerin. Seit April 2019 ist sie Dozentin für Medienpsychologie an der HMKW, im Juni ist ihr erstes Buch “Schluss mit dem täglichen Weltuntergang” erschienen und im Oktober wurde sie zur Professorin berufen.