© DLR Institut für Antriebstechnik

Hinter den Kulissen: Dr. Lengyel-Kampmann

Forschende aus Köln stellen sich vor

Kurzinterview mit Dr. Timea Lengyel-Kampmann, Ingenieurin an den “Fan und Verdichter” Prüfständen des DLR-Instituts für Antriebstechnik

Dr. Timea Lengyel-Kampmann, Sie forschen an neuen Konzepten für effizientere und klimafreundlichere Luftfahrtantriebe. Welche konkreten Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Forschungsarbeit?
Meiner Meinung nach ist die Reduktion des Brennstoffverbrauchs das wichtigste Ziel der Triebwerksforschung, um die Luftfahrtantriebe umweltfreundlicher zu gestalten. Dies kann durch die Effizienzsteigerung oder durch Gewichtreduktion der Komponenten erreicht werden. Gleichzeitig soll die Lärm-Emission auch möglichst niedrig gehalten werden. Diesem Leitfaden folge ich in meinen aktuellen Projekten, in denen neue Triebwerkskonzepte numerisch ausgelegt und experimentell überprüft werden. Das DLR hat in den letzten Jahren sehr große Fortschritte in der Methodenentwicklung der Auslegung von Turbomaschinen erreicht. Die Validierung dieser Methoden durch die experimentellen Arbeiten mit der Verwendung von hochwertigem Messverfahren dient als konkretes Ziel meiner Arbeit. Damit möchte ich meinen Beitrag zur klimafreundlicheren Luftfahrt leisten.

Was sind Ihre aktuellen Erkenntnisse und welchen Nutzen haben sie für die Gesellschaft?
Mit den geeigneten Auslegungs- und Optimierungsverfahren sind wir in der Lage, die Komponenten der aktuellen Triebwerke zu verbessern und den Wirkungsgrad zu steigern. Durch die Verwendung von Faserverbundwerkstoffen (CFK) wird es auch mit den aktuellen Triebwerksarchitekturen möglich sein, Gewicht einzusparen. Nichtsdestotrotz wird meines Erachtens zukünftig ein neues Antriebskonzept nötig sein, um die geforderte deutliche Reduktion an der Schadstoffemission zu erreichen. Wir sind gerade dabei, ein potenzielles neues Konzept (BLI – Boundary Layer Ingestion) am Prüfstand zu bewerten. Dafür wird die erste Stufe des Triebwerks, der Fan, unter bestimmten Einlaufstörung durch die Grenzschichteinsaugung experimentell untersucht und mit dem ungestörten Fall verglichen. Mit diesem Konzept wäre vermutlich eine Ersparnis von 10-15% des Brennstoffverbrauches möglich.

Können Flugzeuge überhaupt klimaneutral sein? Was erhoffen Sie sich für die Zukunft der Luftfahrt?

Die ersten Schritte in Richtung „klimaneutrales Fliegen“ wurden schon getan. Die Wissenschaftler tun alles dafür, dass „Fliegen“ und „Umwelt“ in der Zukunft ein Gleichgewicht finden. Die Menschheit kann nicht auf das Fliegen verzichten, wir sollten also etwas dafür tun, dass Fliegen auch zukünftig möglich ist. Ich glaube daran, dass Flugzeuge klimaneutral werden können, bis dahin ist es aber noch ein sehr langer Weg. Im Institut für Antriebstechnik des DLR versuchen wir gerade, diesen Weg Schritt für Schritt zu gehen.

Was begeistert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Schon als kleines Kind hat mich die Frage beschäftigt: „Wie kann eine schwere Maschine überhaupt fliegen?“ Diese Frage zu beantworten, hat den weiteren Verlauf meines Lebens bestimmt: Mit 18 Jahren habe ich den Flugschein für Segelflugzeuge gemacht und mit 23 Jahren habe ich mein Maschinenbau-Studium in Fachrichtung Flugtriebwerke absolviert. Am meisten begeistert mich die Physik des Fliegens, das Prinzip der Triebwerke.

ZUR PERSON
Dr. Timea Lengyel-Kampmann ist leitende Ingenieurin an den “Fan und Verdichter” Prüfständen des DLR-Instituts für Antriebstechnik. Seit über 14 Jahren ist sie beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig und forscht an neuen Konzepten für effizientere und klimafreundlichere Luftfahrtantriebe.