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Expertenfeedback

Bessere Entscheidungen zur Antibiotikagabe von Kinderärzten

Eine interdisziplinäre Studie unter Leitung von Professor Dr. Daniel Wiesen vom Seminar für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Management im Gesundheitswesen der Universität zu Köln hat gezeigt, dass Expertenfeedback zu besseren Entscheidungen über die Verordnung von Antibiotika führen kann. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass insbesondere noch unerfahrene Ärztinnen und Ärzte von Expertenfeedback profitieren. Die Studie, die mithilfe eines kontrollierten Entscheidungsexperiments erstmals den kausalen Effekt von Feedback auf Therapieentscheidungen einzelner Kinderärztinnen und -ärzte untersuchte, ist im Fachmagazin „Medical Decision Making“ erschienen.

Der übermäßige Gebrauch von Antibiotika trägt zur Entstehung von Antibiotikaresistenzen bei, wodurch die Wirksamkeit von Antibiotika zunehmend gefährdet ist. Dennoch werden Antibiotika weiterhin häufig verordnet, ohne dass sie therapeutisch indiziert sind, und es wird oftmals eine übermäßig lange Therapiedauer gewählt. Dies erhöht neben dem Risiko der Resistenzbildung das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen. Insbesondere bei Kindern kann der unangemessene Einsatz von Antibiotika kurz- und langfristige Folgen für die Gesundheit und die Entwicklung haben. In einer experimentellen Studie mit Kinderärztinnen und -ärzten hat das Team der Universität zu Köln einen innovativen Ansatz zur Verbesserung des Antibiotika-Verordnungsverhaltens untersucht. {…}

Professor Wiesen sagt: „Uns hat überrascht, dass ein simpler Ansatz wie die Bereitstellung von Expertenfeedback einen so großen Effekt auf ärztliche Verordnungsentscheidungen haben kann. Das Expertenfeedback hat nicht nur dazu geführt, dass kürzere Therapien gewählt wurden, sondern auch bewirkt, dass die Therapieentscheidungen in Richtung der Empfehlungen von Experten und medizinischen Leitlinien angepasst wurden. Somit können wir sagen, dass die Bereitstellung von Expertenfeedback zu angemesseneren Therapieentscheidungen geführt hat.“

Das interdisziplinäre Projekt zeige, dass ein einfacher „Nudge“ (englisch für Stups oder Schubs) in Form von Expertenfeedback ein geeignetes Instrument ist, um das Verordnungsverhalten von Ärztinnen und Ärzten zu verbessern. „Nudging“ ist eine verhaltenstheoretisch begründete Methode mit dem Ziel, das Verhalten von Menschen ohne ökonomische Anreize zu beeinflussen. {…}

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