
Instrument-Buch-Apian
Bild: Peter Apianus, Instrument-Buch
Di. 12.05.2026
DLR-Astroseminar | Von der Richtantenne zur Very Long Baseline Interferometrie
Zum 31. Mal findet im Zeitraum vom 14. April bis 19. Mai 2026 das DRL-Astroseminar statt. Sechs Beiträge geben einen Einblick in das faszinierende Thema „Astronomische Beobachtungskunst – wie Messtechniken Weltbilder prägen“. An den kostenfreien Seminarvorträgen können Sie vor Ort im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Standort Köln-Porz sowie per Stream teilnehmen. Der fünfte Vortrag widmet sich dem folgenden Thema:
Von der Richtantenne zur Very Long Baseline Interferometrie – wie präzise Messungen unser Bild des Kosmos verändern
Seit den frühen Tagen der Radioastronomie, als einfache Richtantennen erste Signale aus dem All einfingen, hat sich die Beobachtungstechnik zu einem der präzisesten Werkzeuge der modernen Wissenschaft entwickelt.
Die Methode der Very Long Baseline Interferometry (VLBI) verbindet Radioteleskope über Kontinente hinweg zu einem virtuellen Instrument von Erdgröße und erlaubt Messungen mit einer Winkelauflösung von wenigen Millionstel Bogensekunden. Damit lassen sich nicht nur Bewegungen der Erdkruste und Rotationsparameter unseres Planeten mit höchster Genauigkeit bestimmen, sondern auch die fernsten und kompaktesten Objekte des Universums abbilden.
Im Vortrag wird der Weg von den technischen Anfängen der Richtfunk-Interferometrie bis zur heutigen globalen VLBI-Technologie nachgezeichnet. Dabei werden die Anwendungen in der Geodäsie und Astronomie vorgestellt, die von der Bestimmung der Erdrotationsparameter bis zur Erforschung aktiver Galaxienkerne reichen.
Im Zentrum steht jedoch die jüngste Erfolgsgeschichte: die erstmalige Abbildung der Schattenstrukturen supermassereicher Schwarzer Löcher in Messier 87 und im Zentrum unserer Milchstraße. Diese Beobachtungen, möglich geworden durch das Event Horizon Telescope (EHT), bestätigen zentrale Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie und eröffnen eine neue Ära der Beobachtung von Raumzeit und Gravitation in ihrer extremsten Form.
So zeigt sich in der Entwicklung von der Richtantenne zur VLBI nicht nur ein technischer Triumph, sondern auch ein Wandel unseres Weltbildes – von der Vermessung der Erde hin zur direkten Beobachtung der Grenzen von Raum und Zeit.
Über den Referenten
Professor Dr. Anton Zensus, Astrophysiker und Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn promovierte im Jahr 1984 in Münster und forschte danach während seiner Postdoc-Zeit bis 1991 an führenden US-Institutionen wie dem California Institute of Technology und dem National Radio Astronomy Observatory.
Seit 1997 ist er wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Dort entwickelte er mit seinem Team und internationalen Partnern die Very Long Baseline Interferometry (VLBI) entscheidend weiter – eine Schlüsseltechnologie, die Teleskope weltweit zu einem erdumspannenden Beobachtungsinstrument verbindet. Sie ermöglicht bahnbrechende Entdeckungen und fördert internationale Forschungsallianzen.
Weltweit bekannt wurde Zensus durch seine führende Rolle bei der Aufnahme des ersten Bildes eines Schwarzen Lochs – ein Meilenstein, der technologische Spitzenleistung, wissenschaftliche Präzision und globale Zusammenarbeit vereinte.
Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Breakthrough Prize for Fundamental Physics (2019, gemeinsam mit dem Event Horizon Telescope Team), die Tycho-Brahe-Medaille (2023) und die Karl- Schwarzschild-Medaille (2024).
Wann
12.05.2026
15:30 – 17:30 Uhr
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Wo
DLR | Konferenzzentrum, Linder Höhe, 51147 Köln
Kosten
Eintritt frei
Veranstalter
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.
Referierende
Prof. Dr. Alexander Krivov
