
Instrument-Buch-Apian
Bild: Peter Apianus, Instrument-Buch
Di. 05.05.2026
DLR-Astroseminar | Die Spektrallinienanalyse als Fundament der modernen Astrophysik
Zum 31. Mal findet im Zeitraum vom 14. April bis 19. Mai 2026 das DRL-Astroseminar statt. Sechs Beiträge geben einen Einblick in das faszinierende Thema „Astronomische Beobachtungskunst – wie Messtechniken Weltbilder prägen“. An den kostenfreien Seminarvorträgen können Sie vor Ort im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Standort Köln-Porz sowie per Stream teilnehmen. Der vierte Vortrag widmet sich dem folgenden Thema:
Die Spektrallinienanalyse als Fundament der modernen Astrophysik
Seit Menschengedenken beobachtet man die eindrucksvollen Regenbogen, doch hat man sich über deren Farben und das Wesen des Lichtes lange Zeit kaum Gedanken gemacht. Um 1666 stellte Newton mit Prismen umfangreiche Experimente am Sonnenlicht an und fand auf diese Weise die Farbzerlegung des Lichtes.
Mit Joseph von Fraunhofer (1787-1826) beginnt schließlich die Spektrallinienanalyse. Autodidaktisch ein Meister der Experimentierkunst, übernimmt er Newtons Experiment, allerdings mit einem kollimierenden Strahlengang. Auf diese Weise findet er die nach ihm benannten dunklen Linien im Sonnenspektrum.
Kirchhoff und Bunsen entwickeln dann eine Methode, die Natur dieser Linien zu erklären. Sie stellen fest, dass die dunklen Absorptionslinien im Sonnenspektrum mit hellen Emissionslinien übereinstimmen, die bestimmte Elemente erzeugen, wenn sie erhitzt werden, und sind dadurch in der Lage, außer der Analyse terrestrischer Stoffe auch die chemische Zusammensetzung von Sonne und fernen Sternen zu bestimmen.
Dies führt unter anderem wenig später zur Entdeckung des Heliums. Vor allem aber ist die Untersuchung der Spektrallinien ein entscheidendes Fundament für das Verständnis der Atomphysik und der ihr zugrundeliegenden Quantentheorie.
Bis heute hat sich die Spektrallinienanalyse zu einem mächtigen astrophysikalischen Werkzeug weiterentwickelt, nahe und ferne Objekte im All höchstpräzise zu untersuchen und deren physikalische, chemische und dynamische Eigenschaften zu entschlüsseln.
Dazu dienen genial konstruierte spezielle Spektrometer und -graphen wie zum Beispiel das MOSAIC-Instrument für das Extremly Large Telescope der ESO, an dessen Entwicklung der Vortragende neben ähnlichen Instrumenten intensiv Anteil hat.
Über den Referenten
Dr. Andreas Kelz ist Leiter des Programmbereichs „3D- und Multi-Objekt-Spektroskopie“ am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP). Nach seinem Diplom-Studium der Physik an der Technischen Universität Darmstadt promovierte er im Jahr 1999 in Astrophysik an der University of Sydney in Australien.
Seit dem Jahr 2000 ist er in Potsdam tätig und entwickelt modernste astronomische Instrumente für internationale Observatorien, mit dem Forschungsziel, die Entwicklung von Sternen und Galaxien spektroskopisch zu analysieren und wissenschaftlich zu untersuchen.
Die meisten dieser Instrumente sind 3D- oder Integralfeld-Spektrographen, die Spektroskopie und Bildgebung kombinieren, sowie Multi-Objekt-Spektrographen, welche große astronomische Durchmusterungen ermöglichen. Oftmals kommen bei diesen Instrumenten Glasfasertechnologien zum Einsatz.
Die bisherigen und aktuellen Projekte werden meistens in internationalen Konsortien und für große Observatorien (wie ESO, HET, LBT, CAHA, …) durchgeführt.
Wann
05.05.2026
15:30 – 17:30 Uhr
Termin in den eigenen Kalender importieren
Wo
DLR | Konferenzzentrum, Linder Höhe, 51147 Köln
Kosten
Eintritt frei
Veranstalter
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.
Referierende
Prof. Dr. Alexander Krivov
