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Deutschland: Immer reicher, immer ungleicher

Studie zeigt historische Vermögensverteilung

Die reichsten 50 Prozent der Deutschen haben ihr Vermögen seit der Wiedervereinigung verdoppelt – die ärmsten 50 Prozent haben praktisch nichts hinzugewonnen. Das zeigt die neue Studie „Die Verteilung der Vermögen in Deutschland von 1895 bis 2018“ des Exzellenzclusters ECONtribute der Universitäten Bonn und Köln. Sie bildet die erste umfassende Analyse von langfristiger Vermögensungleichheit in Deutschland. Grundlage für die Ergebnisse sind historische Steuerdaten, Studien und Umfragen sowie Reichen-Rankings der letzten 125 Jahre. Der Vizekanzler und Bundesminister für Finanzen Olaf Scholz nahm die Studie am 12.03.2020 in Berlin entgegen.

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander: Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Exzellenzclusters ECONtribute rund um ein Forschungsteam des Bonner Ökonomen Prof. Dr. Moritz Schularick. Seit der Wiedervereinigung wurde die obere Mittelschicht deutlich reicher – während die Armen weiter arm blieben. Seit 1993 konnten die reichsten 50 Prozent der Deutschen ihr Realvermögen verdoppeln, im Gegensatz dazu gewannen die ärmsten 50 Prozent jedoch fast nichts an Vermögen hinzu. Der Anteil der unteren 50 Prozent der Deutschen am Gesamtvermögen hat sich seit 1993 sogar fast halbiert.

Vor allem der Aktien- und Immobilienboom haben zu dieser Entwicklung geführt: Denn wer ein Haus, eine Wohnung oder andere Vermögenswerte besitzt – und vorher bereits genügend Vermögen auf der Seite hatte, um sich solches zu leisten – konnte im vergangenen Jahrzehnt von den gestiegenen Preisen profitieren. An den Haushalten der unteren Vermögensverteilung ist die Entwicklung nahezu vorbeigegangen. {…}

Das Auseinanderklaffen von Reich und Arm stützen weitere Zahlen: Während 1993 die oberen zehn Prozent der Haushalte im Mittel noch 50 Mal reicher waren als die unteren 50 Prozent, verdoppelte sich auch diese Zahl bis 2018. {…}

Aktuelle Statistiken bewerten zudem das Gesamtvermögen der deutschen Haushalte zu niedrig. Insbesondere die vielen Kapitalgesellschaften sowie Quasi-Kapitalgesellschaften werden in Deutschland statistisch viel zu gering eingeschätzt. „Wenn man internationale Bewertungsmethodenanlegt, dann sehen wir, dass das deutsche Betriebsvermögen 2018 rund vier Billionen Euro und das Immobilienvermögen mehr als neun Billionen Euro betrug. Damit wurde das deutsche Betriebsvermögen um bis zu zwei Billionen Euro zu niedrig bewertet“, erläutert Studienautor Schularick die Ergebnisse.

ECONtribute: Einziger wirtschaftswissenschaftlicher Exzellencluster
Die Studie ist im Rahmen von ECONtribute entstanden. Es handelt sich dabei um den einzigen wirtschaftswissenschaftlichen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Exzellenzcluster – getragen von den Universitäten in Bonn und Köln. Der Cluster forscht zu Märkten im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Vollständige Quelle: Uni Köln