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Der Faktor Zufall

Einfluss im Profifußball

In der deutschen Bundesliga ist der FC Bayern München mittlerweile zum neunten Mal in Folge Deutscher Meister geworden. Es gibt aber auch immer wieder große Überraschungen im Profifußball, zum Beispiel der EM-Titel für Griechenland 2004 oder der sensationelle Meistertitel von Leicester City in der Premier League 2016. Lässt sich Erfolg wirklich immer systematisch erklären? Oder hat am Ende doch der Zufall einen entscheidenden Einfluss?

Als Zufall gelten im Fußball Spielaktionen oder -situationen, die nicht planbar und somit auch nur schwer trainierbar sind: abgefälschte Schüsse, Bälle, die vom Pfosten zum Torschützen abprallen oder Tore, die unabsichtlich von einem Abwehrspieler vorbereitet werden. Während sich die Forschung im Fußball überwiegend auf die Analyse der Erfolgsfaktoren konzentriert, die im Training systematisch geschult werden können, wird die Rolle des Zufalls oftmals vernachlässigt. Denn Zufallsfaktoren können nur schwerlich in Übungs- oder Spielformen thematisiert werden.

Dass sich allerdings hier ein genauerer Blick lohnt, zeigt jetzt eine Studie des Instituts für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS). Das Team um Institutsleiter Univ.-Prof. Dr. Daniel Memmert analysierte insgesamt 7.263 Tore der englischen Premier League in den Saisons 2012/13 bis 2018/19. Die Wissenschaftler haben damit die bislang größte Big-Data-Studie zum Faktor Zufall im Profifußball in der Zeitschrift Journal of Sports Sciences publizieren können.

Die Forscher identifizierten zunächst zufällige Einflüsse im Torerzielungsprozess, um anhand dieser Variablen die Zufälligkeit im Fußball quantifizieren zu können. Sechs grundlegende Variablen wurden einer früheren Studie entnommen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Abstaubertore, Distanzschüsse, abgefälschte Schüsse oder Tore, die aufgrund eines Fehlers in der Abwehr entstehen (z.B. Eigentor). […]

Die Ergebnisse bringen Überraschendes zutage: Bei nahezu jedem zweiten Tor (46%) konnten die Wissenschaftler einen Zufallseinfluss identifizieren. Zudem ist der Anteil an Zufallstoren bei schwächeren Mannschaften sowie bei einem unentschiedenen Zwischenstand stärker ausgeprägt und hängt von der genauen Spielsituation ab (offenes Spiel, Freistoß, Ecke, Elfmeter). […]

Wenn wir den Faktor Zufall im Fußball besser verstehen, kann das wichtige Implikationen für Forschung und Praxis haben, sind die Forscher überzeugt. Trainer*innen und Spielanalyst*innen sollten den Zufall als einen entscheidenden Faktor einbeziehen und die Unterschiede zwischen Leistung und Erfolg noch stärker anerkennen. […]

Vollständige Quelle: DSHS