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COVID-19

Social Distancing Maßnahmen effektiv

Frühe Kontaktbeschränkungen und Schulschließungen haben innerhalb von drei Wochen über 80 Prozent der COVID-Infektionen und über 60 Prozent der Todesfälle in Deutschland verhindert. […]

Im Frühjahr 2020 breitete sich die COVID-19-Pandemie schnell in Europa aus. Nach anfänglichem Zögern beschlossen die Bundesregierung und die Ministerpräsidentenkonferenz Mitte März in kurzer Folge eine Reihe von Maßnahmen zur Beschränkung sozialer Kontakte, darunter die Schließung von Schulen, Kindergärten und Geschäften. […]

Trotz der schnellen Abnahme der Infektionen in Deutschland wurde die Wirksamkeit der Kontaktbeschränkungen sowohl in der Öffentlichkeit als auch in Fachkreisen immer wieder bezweifelt. […] Um diese kontroverse Frage zu beantworten, schätzte das Autorenteam um Juniorprofessor Dr. Emanuel Hansen den kausalen Effekt der politischen Maßnahmen mit Hilfe detaillierter Zahlen des Robert Koch-Instituts sowie anonymisierter Bewegungsdaten von privaten Mobilfunkanbietern aus den über 400 deutschen Kreisen in einem quasi-experimentellen Analyseverfahren. Dieses Verfahren nutzt aus, dass die ersten COVID-19 Infektionen in manchen Kreisen vor Beginn der Kontaktbeschränkungen auftraten, in anderen Kreisen dagegen erst deutlich später. Durch den Vergleich von Kreisen mit frühen und späten COVID-Ausbrüchen konnten die Forscher schätzen, wie sich das Verhalten der Bürger*innen und das Infektionsgeschehen in Deutschland ohne die Social Distancing Maßnahmen entwickelt hätten. Der kausale Effekt der Maßnahmen entspricht somit dem Unterschied zwischen der hypothetischen Entwicklung ohne Social Distancing und der tatsächlichen Entwicklung mit Kontaktbeschränkungen.

Unter Verwendung dieser Schätzmethode kamen die Autoren zu den folgenden Ergebnissen: Im ersten Schritt stellten sie mit Hilfe der Mobilfunkdaten fest, dass die politischen Maßnahmen die räumlichen Bewegungen der Menschen wie gewünscht um durchschnittlich 30 Prozent reduzierten. Im zweiten Schritt fanden sie Evidenz für eine effektive Eindämmung des pandemischen Geschehens: Schon innerhalb der ersten drei Wochen konnten durch die Kontaktbeschränkungen in Deutschland über 80 Prozent der COVID-Infektionen und über 60 Prozent der entsprechenden Todesfälle vermieden werden, die es ohne die Maßnahmen gegeben hätte. Anders ausgedrückt, hätte es nach den Schätzungen der Forscher in Deutschland ohne die Maßnahmen alleine bis Anfang April etwa 500.000 zusätzliche Ansteckungen und etwa 5.400 zusätzliche Todesfälle gegeben. […]

„Ohne diese Kontaktbeschränkungen wäre es wohl auch in Deutschland – wie in anderen europäischen Ländern – zu einer Überlastung des Gesundheitssystems gekommen,“ so Prof. Emanuel Hansen (Universität zu Köln). Da in der Frühphase der Pandemie keine anderen Instrumente wie Impfungen oder Schnelltests zur Verfügung standen, habe es trotz der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kosten von Schul- und Geschäftsschließungen keine sinnvolle Alternative gegeben. Zu den Effekten der politischen Maßnahmen in späteren Wellen der COVID-19-Pandemie kann die Studie keine Aussagen machen. […]

Vollständige Quelle: Universität zu Köln