© Paul Hebert (doi:10.1371/journal.pbio.0030219)

Nahrungskette in Seen

Wasserfloh kann Fisch erschnüffeln

Wasserflöhe der Gattung Daphnia sichern ihr Überleben, indem sie auf einen Signalstoff des Fressfeindes Fisch mit einer Fluchtstrategie reagieren. Meike Anika Hahn aus der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Eric von Elert vom Institut für Zoologie der Universität zu Köln konnte diesen chemische Botenstoff, den der Fisch in das Wasser von Seen absondert, jetzt identifizieren. Wenn der Wasserfloh den Stoff „5α-Cyprinol Sulfat“ wahrnimmt – ein Salz aus der Galle von Fischen –, verlässt er die oberen Wasserschichten und wandert vertikal in die dunkleren Gefilde, wo er sich tagsüber aufhält und der Fisch ihn nicht sehen kann. Dieser Zusammenhang zwischen dem Signal des Jägers und dem Verhalten seiner Beute ist unter dem Titel „5α-cyprinol sulfate, a bile salt from fish, induces diel vertical migration in Daphnia“ in der Fachzeitschrift „eLife“ publiziert.

Eric von Elert macht deutlich, wo das Problem in dieser Fisch-Kleinkrebs-Kommunikation für die Gewässergesundheit liegt: „Der Wasserfloh ist ein wichtiges Glied im Ökosystem See, denn er ernährt sich hauptsächlich von den ständig nachwachsenden Mikroalgen. Für den See ist es daher entscheidend, dass die Daphnien an der Wasseroberfläche, ihrem natürlichen Lebensraum, bleiben und sich nicht tagsüber in der Tiefe aufhalten, wo sie gar keine Algen finden. Von daher ist es wichtig zu wissen, auf welches Signal genau der Wasserfloh hier reagiert.“ Daphnien wanderten täglich bis zu 60 Meter in der Wassersäule auf und ab.

Das Gallensalz ist lebenswichtig für den Stoffwechsel der Fische, weshalb sie evolutionsperspektivisch nicht aufhören können, den Stoff abzusondern. Nun, da man den Stoff kennt, lässt sich in Folgestudien auch untersuchen, ob eine hohe Konzentration von 5α-Cyprinol Sulfat tatsächlich immer nur auf Fische zurückzuführen ist. „Möglicherweise steckt der Stoff auch in verunreinigtem Wasser, das von Kläranlagen in Gewässer gegeben wird“, sagt Professor von Elert.

„In aquatischen Systemen wie dem See finden eine enorme Zahl an chemischen Reaktionen und Interaktionen statt, die es grundlagenwissenschaftlich zu begreifen gilt – insbesondere, wenn das eigentlich intakte System von außen gestört wird, kann das schwerwiegende Folgen haben. Ein Ziel wäre es durchaus, dass wir irgendwann bei dem Wissen sind, wie sich durch gezielte natürliche Beigaben das Gleichgewicht wiederherstellen ließe.“

Vollständige Quelle: Uni Köln