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Herausforderungen durch Corona: RFH

Die Arbeit wird nicht weniger, sie wird anders.

Das Thema „Soziale Distanz“ z.B. durch Homeoffice ist eine wesentliche Komponente bzw. Herausforderung für Mitarbeiter*innen, Lehrende und Studierende. Die Arbeit wird nicht weniger, sie wird anders. Wie die Rheinische Fachhochschule Köln (RFH) damit umgeht erläutert der Präsident Prof. Dr. Martin Wortmann.

Was ist für Ihre Einrichtung derzeit die größte Herausforderung in der Corona-Krisen-Situation?
Es ist deutlich mehr zu koordinieren und die Studierendenbetreuung wird intensiver. Digitales Lernens in dem Ausmaß erfordert permanente Konzentration bei Lehrenden und Studierenden. „Zwischenräume“ im digitalen fehlen, d.h. der informelle Austausch, der für manche Studiengänge wesentlich ist, wird weniger. Auch der Austausch unter den Studierenden geht etwas verloren, es ist „anstrengender“, aber viele kommen trotzdem sehr gut klar mit dem digitalen Lernen.

Zusätzlich muss bei vielen aus Lehre und Verwaltung die Arbeit und Kinderbetreuung „unter einen Hut“ gebracht werden.

Was leistet Ihre Hochschule bzw. Forschungseinrichtung aktuell, um den Lehr- und Forschungsbetrieb aufrecht zu erhalten?
Das Semester an der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH) hatte bereits vor dem „Shutdown“ am 9. März begonnen. Innerhalb einer Woche hat ein erfahrenes Online-Lehre-Team der RFH über 400 Dozierende der RFH sowie der Schwesterinstitutionen der Rheinischen Stiftung mit einem neuen Online-Vorlesungssystem geschult. Jetzt gibt es kontinuierlich weitere Schulungsangebote zur Didaktik. Alles ist digital. Auch die regelmäßigen Infoveranstaltungen.

In Laboren wird aktuell nur ganz eingeschränkt gearbeitet unter größten Hygienevorschriften.

„Auch wenn aktuell jeder Tag neu zu bewerten ist, können wir sagen, dass wir wirklich etwas auf die Beine gestellt haben, was wir vorher vielleicht nicht für möglich gehalten hätten“, freut sich RFH-Präsident Prof. Dr. Martin Wortmann. „Wir haben uns auf Basis unserer Erfahrungen mit unseren E-Learning-Laboren und Studiengängen in der Digitalisierung weiterentwickelt. Wir haben die entsprechende Ausstattung und die Kompetenzen. Das hat uns sehr geholfen.“

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie langfristig auf die Abläufe Ihrer Einrichtung aus? Welche strukturellen Veränderungen werden zukünftig eine größere Rolle spielen?
Sicher ist, dass die RFH mit den positiven Erfahrungen der Online-Lehre in Zukunft weiterarbeiten wird. Die bewährte Präsenzlehre, die die RFH seit über 60 Jahren in kleinen Kursgrößen praktiziert, bleibt dennoch wesentlicher Bestandteil des Angebots.

Welcher Nutzen kann sich aus den derzeitigen Umstrukturierungen für die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ergeben?
„Die Republik, ja auch Europa, könnten mehr vom Engagement der Hochschulen profitieren. Statt akademische Distanz zu wahren, könnte die Nähe zum wirtschaftlichen und sozialen Geschehen einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt und der Schaffung neuer Arbeitsplätze beitragen und für ein stabiles Gemeinwesen sorgen. Dieses Ziel bedarf offener und niederschwelliger Hochschulkommunikation und Organisationsstrukturen, die offene Wissenschaftsräume anbieten. In diesen Tagen stellt sich unseren Schulen die Frage, wie sie ihren Schulunterricht aufrechterhalten können. Der Gedanke der Gemeinschaft und Solidarität fordert eigentlich – und nicht vergessen, das Gros der Hochschulen ist steuerfinanziert –, dass sie nun dabei helfen, diese Kompetenzen in die Schulen zu tragen, als selbstverständlichen gesellschaftlichen Auftrag, als die zentrale Mission, als Beispiel für die Verantwortlichkeit akademischer Einrichtungen.“

Antworten von Prof. Dr. Martin Wortmann, Präsident der Rheinischen Fachhochschule (RFH)