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Zwischen Sorgen und Hoffnungen

Online-Studium

Bei den Hoffnungen und Befürchtungen, die Studierende zu Beginn der COVID-19-Pandemie mit dem Umstieg auf das virtuelle Studium verknüpften, überwiegen leicht die negativen Erwartungen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Thomas Hoss, Amancay Ancina und Professor Dr. Dr. Kai Kaspar vom Department Psychologie der Universität zu Köln während des ersten bundesweiten Lockdowns in Deutschland zu den Erwartungen von Studierenden hinsichtlich der Risiken und Chancen dieser herausfordernden Situation durchgeführt haben. […]

Die Studie offenbart, welche positiven wie negativen Erwartungen und Hoffnungen Studierende während des ersten Lockdowns im April und Mai 2020 an ein E-Learning Semester hatten. „Besonders interessant sind diese Einschätzungen auch, um nach mittlerweile drei virtuellen Semestern rückblickend auszumachen, welche der erwarteten Effekte tatsächlich eingetreten und weiterhin aktuell sind“, ordnet Professor Kaspar die Ergebnisse ein. […]
Im Rahmen der Studie lieferte eine Gruppe aus 584 Studierenden unterschiedlicher Fächer, Universitäten und Studienphasen insgesamt über 3.800 Aussagen zu ihren positiven und negativen Erwartungen an das bevorstehende Online-Semester und bewertete zudem die persönliche Relevanz jeder genannten Erwartung. Mit 57,7 Prozent überwogen die negativen Erwartungen gegenüber den positiven. […] „Wir fanden zudem, dass jene Erwartungen, die den befragten Personen zuerst in den Sinn kamen, durchschnittlich als persönlich bedeutsamer bewertet wurden als alle danach genannten Erwartungen. Das galt für negative wie positive Erwartungen gleichermaßen. Dieser kognitive Effekt zeigt, dass wir der Reihenfolge, in der befragte Personen Dinge äußern, grundsätzlich Beachtung schenken sollten“, ergänzt Professor Kaspar.

Zu den am häufigsten genannten negativen Effekten gehörten die Sorge vor einer Verschlechterung der Lehre und des Lernens inklusive der Leistungserfassung, eine erwartete Abnahme sozialer Interaktion und Kommunikation mit anderen Studierenden, […]. Demgegenüber wurden als positive Erwartungen eine erhöhte Flexibilität im Zeit- und Arbeitsmanagement, in der Rezeption und Bearbeitung von Kursmaterialien sowie in der Wahl des Lernorts häufig genannt. „Dieser Hoffnung auf mehr individuelle Gestaltungsfreiheit, welche durch ein Online-Studium grundsätzlich möglich wird, stand aber die sehr häufig genannte Befürchtung gegenüber, dass die Studierenden nicht über ausreichende Fähigkeiten im Bereich der Selbstregulation, der Selbstdisziplin und des selbstorganisierten Lernalltags verfügen könnten“, sagt Professor Kaspar. […]

„Die damals schon von vielen befürchtete soziale Vereinsamung aufgrund fehlender physischer Kontaktmöglichkeiten an den Universitäten ist zu einer monatelangen Realität aller universitärer Statusgruppen geworden“, hält Professor Kaspar die Ausgangssituation fest. Er und sein Team wollen in diesem Zusammenhang folgende Fragen klären: Inwieweit ist es gelungen, diese Entwicklung durch geeignete kreative Austauschformate im digitalen Raum zumindest etwas abzumildern? Sind die von den Studierenden befürchteten Qualitätseinbußen beim Lehrangebot und bei den Lernprozessen tatsächlich zu beobachten? Welche grundsätzlichen Angebote müssen Universitäten schaffen, um Studierenden die notwendigen selbstregulatorischen Fähigkeiten zu vermitteln, um die Chancen größerer Flexibilität durch Online-Angebote für ihren eigenen Lernalltag zu nutzen? Und nicht zuletzt: Wie müssen die Angebote aussehen, die den erhofften Zuwachs an Medienkompetenz tatsächlich fördern? […]

Vollständige Quelle: Universität zu Köln