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Schmerzen im E-Sport

Sensibilisierung für Gesundheitsthemen

E-Sportler*innen, die bereits in jungen Jahren ihre Karriere verletzungsbedingt beenden – diese Meldungen gibt es immer wieder. „Von Schmerzen betroffen sind die Gamer*innen durchaus“, so Professor Ingo Froböse, Leiter des Instituts für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation der Deutschen Sport-hochschule Köln, „dies sollte man nicht unterschätzen und die Zielgruppe frühzeitig sensibilisieren.“

Dies sind die Ergebnisse der vierten E-Sport-Studie der Deutschen Sporthoch­schule Köln […]. Die drei vorherigen E-Sport-Studien haben bereits das Trainings- und Gesundheitsverhalten, den Medienkonsum sowie das mentale Wohlbefinden und das Ernährungsverhalten in den Fokus gestellt. Die dies­jährige Befragung befasst sich mit den Themen der Ergonomie und körperlichen Beschwerden. Gemeinsam mit der AOK Rheinland/Hamburg hat Univ.-Prof. Dr. Ingo Froböse rund 1150 E-Sportler*innen aller Leistungsstufen befragt. Wie im letzten Jahr wurden die Daten aufgrund der COVID-19-Pandemie ausschließlich online erhoben.

Zunächst ist positiv hervorzuheben, dass der Großteil der befragten Spieler*innen nur selten von körperlichen Beschwerden betroffen ist. Liegen allerdings Schmerzen vor, sind diese am häufigsten im Nacken oder Rücken lokalisiert. Dies ist vergleichbar mit der deutschen Allgemeinbevölkerung, bei denen Rücken- und Nackenschmerzen ebenfalls eine sehr hohe Prävalenz aufweisen. Ein Risikofaktor dafür sind die langen Sitzzeiten in unserer modernen Gesellschaft. „Demnach ist es umso wichtiger, mehr Bewegung in unseren sonst so bewegungsarmen Alltag zu integrieren. Dies fördert nicht nur die Gesundheit, sondern erhöht auch unsere Produktivität“, so Froböse, der vor allem für kleine Bewegungspausen zwischen längeren Sitzeinheiten plädiert. Diese fördern unter anderem die Durchblutung und liefern einen Energieschub.

Zudem gaben die Spieler*innen an, häufig „sonstige Schmerzen“ wie beispielsweise Kopfschmerzen zu haben. Grund dafür können unter anderem die mit der Videospielzeit einhergehenden Bildschirmzeiten sein. Hinzu kommt der Gebrauch von Smartphones und das Arbeiten am Computer. Brennende oder gerötete Augen oder Müdigkeit können ebenfalls auftreten, wenn ununterbrochen auf den Bildschirm gestarrt wird. „An dieser Stelle empfiehlt es sich, auch unseren Augen zwischendurch mal eine Pause zu gönnen“, empfiehlt Froböse.

Allerdings sind nur wenige Spieler*innen der Meinung, dass die Schmerzen allein durch das Gaming begründet sind (4,6 %). Der Großteil (25,7 %) kann die Schmerzen keiner bestimmten Tätigkeit zuordnen, wohingegen 19,3 % eine Kombination aus Schreibtischtätigkeit und dem Spielen als Schmerzursache sehen. „Prinzipiell treten Schmerzen nicht nur aufgrund eines bestimmten Verhaltens bzw. einer gewissen Tätigkeit auf. Der Schmerz ist eher multifaktoriell zu betrachten. So kommen dabei eher viele verschiedene Faktoren zusammen, wodurch der Schmerz letztendlich ausgelöst wird“, erklärt Froböse. […]

Um eine auf Dauer monotone Körperhaltung zu vermeiden und daraus entstehende körperliche Beschwerden erst gar nicht auftreten zu lassen, eignet sich eine gute ergonomische Ausstattung. Dahingehend zeigt sich, dass die Befragten zu großen Teilen sehr gut ausgestattet sind. Verbesserungsbedarf besteht allerdings beim Tisch. Nur 16,0 % besitzen einen höhenverstellbaren Tisch und bei etwas mehr als der Hälfte ist der Tisch dementsprechend nicht an die Größe der Befragten angepasst. Zudem verwendet nicht einmal die Hälfte eine Tastatur mit Auflagefläche für die Handgelenke. Dabei sollte besonders auf die Unterarmmuskulatur geachtet werden, da die Handgelenke und Unterarme bei Gamer*innen besonders beansprucht werden. […]

Die überwiegende Mehrheit der Spieler*innen ist der Meinung, dass sich eine gute Fitness, ausgewogene Ernährung, ausreichend nächtlicher Schlaf sowie eine geringe psychische Anspannung positiv auf die Leistung im E-Sport auswirken können. „Es ist schön zu sehen, dass den Gamer*innen die Vorteile eines gesunden Lebensstils inzwischen bewusst sind. Nun gilt es, sie auch dahingehend zu unterstützten, dass sie ihr Gesundheitsverhalten dementsprechend anpassen“, erklärt Froböse. […]

Vollständige Quelle: DSHS Köln