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Resilienz im Grundschulalter

Bildungschancen verbessern

„Der Bildungserfolg von Kindern hängt in Deutschland stark von sozialstrukturellen Merkmalen ab, wie zum Bsp. Bildung und Einkommen der Eltern. Kinder, die in Armut aufwachsen oder aus Familien mit Migrationserfahrung kommen, haben es im deutschen Bildungssystem schwerer. Dennoch lässt sich beobachten, dass ein geringer Teil der Schulabgängerinnen und -abgänger trotz belastender Bedingungen hohe Abschlüsse erlangt. Diesen Kindern wird das Merkmal resilient zugeschrieben“, sagt Prof. Dr. Johannes Schütte, Direktor des Instituts für Sozialpolitik und Sozialmanagement der TH Köln.

Ursprünglich kommt der Begriff aus der Werkstoffforschung. Hier werden Materialien als resilient bezeichnet, die zu ihrem ursprünglichen Zustand zurückkehren, nachdem eine Kraft auf sie gewirkt hat – wie zum Beispiel eine Metallfeder. Im sozialen Bereich verspricht Resilienz mehr: Personen können über sich hinauswachsen. Resilienz ist aber nicht von Natur aus vorhanden, sondern muss erst hergestellt werden.

Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit der Frage, welche Konstellationen dazu führen, dass Resilienz entsteht. Gemeint ist damit die gesamte Umwelt, die im Hinblick auf das gelingende Aufwachsen von Kindern eine Rolle spielen können. Dazu zählen neben den sozialen Beziehungsgeflechten, institutionellen Strukturen auch räumliche und materielle Gegebenheiten als Konstellationen. Das Forschungsteam will speziell den Bildungsübergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule untersuchen und begleitet Kinder bei diesem Übergang.

Die Kinder sollen von drei Grundschulen aus benachteiligten Stadtteilen in Gemeinden unterschiedlicher Bundesländer kommen. In den Schulen werden zunächst Gruppendiskussionen mit Lehrerinnen und Lehrern geführt, um die Kinder für die Begleitung vor und nach dem Wechsel von der Grund- auf die weiterführende Schule auszuwählen. Die Perspektive der Kinder und ihrer Eltern wird mit Interviews beleuchtet. Wenn im Forschungsprozess weitere bedeutsame Akteurinnen und Akteure oder Settings der Kinder auftreten, wie zum Beispiel Vereine oder andere Bezugspersonen neben den Eltern, werden diese ebenfalls in die Untersuchung einbezogen.

Die Ergebnisse sollen in Form von Workshops an die Akteur*innen aus den Grundschulen, weiterführenden Schulen und anderen relevanten Institutionen und Vereinen aus den Sozialräumen vermittelt werden. Darüber hinaus werden Fachkräfte aus den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheit, Bildung und Stadtplanung in die Workshops eingebunden. Langfristiges Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für die Praxis zu erarbeiten, um der Abhängigkeit des Bildungserfolgs von sozialstrukturellen Merkmalen der Familie entgegenzuwirken und betroffenen Kindern bessere Bildungschancen zu ermöglichen. […]

Vollständige Quelle: TH Köln