© pixabay | webandi

Preprints und Peer-Reviews

Vorwort hilft, Veröffentlichungen einzuordnen

Ein aktuelles Forschungsprojekt unter Beteiligung Kölner Sozialpsycholog*innen zeigt, dass eine kurze Erklärung zur wissenschaftlichen Qualitätskontrolle Laien dabei hilft, Forschungsergebnisse und deren Glaubwürdigkeit besser einzuordnen. Insbesondere seit der Corona-Pandemie werden immer mehr Fachartikel als sogenannte Preprints vorveröffentlicht. Preprints haben dabei nicht das etablierte Qualitätskontrollverfahren eines „Peer-Reviews“ durchlaufen, was in der Öffentlichkeit schon oft zu Verwirrung geführt hat. Auch in den vorliegenden Studien zeigte sich, dass Versuchspersonen ohne weitere Erklärung nicht zwischen Preprint und Peer-Review unterscheiden können und die beiden Formate für gleich glaubwürdig hielten. Sobald Versuchspersonen aber zuvor eine kurze Erklärung zum Unterschied erhielten, wurden Versuchspersonen gegenüber Preprints vorsichtiger. […]

Preprints werden – anders als im sogenannten Peer-Review-Verfahren – nicht von Fachkolleg*innen begutachtet. Im Peer-Review prüfen Expert*innen aus den jeweiligen Fachgebieten eine wissenschaftliche Arbeit vor der Veröffentlichung. Die Autor*innen wiederum müssen die Kritik der Peer-Review-Expert*innen einarbeiten oder darlegen, warum diese unzutreffend ist. Dies ist für wissenschaftliche Publikationen eine wesentliche Qualitätskontrolle. Preprints fehlt diese Qualitätskontrolle und viele Forscher*innen befürchten daher, dass Preprints Laien, Journalist*innen und politische Entscheidungsträger*innen erreichen, die sie möglicherweise nicht von der begutachteten Literatur unterscheiden können.

In fünf Studien in Deutschland und den USA hat die Forschungsgruppe untersucht, ob diese Sorge berechtigt ist und ob dieses Problem durch eine kurze Erklärung zu Preprints und dem Peer-Review-Verfahren gelöst werden kann. Wesentlich beteiligt an den Studien waren Forscher*innen vom Social Cognition Center Cologne (SoCCCo) der Universität zu Köln.

Die ersten beiden Studien zeigen, dass Laien tatsächlich Forschungsergebnisse, die als Preprints veröffentlicht wurden, als ebenso glaubwürdig wahrnehmen wie Ergebnisse, die als begutachtete Artikel veröffentlicht wurden. In den beiden Studien wurden Versuchspersonen eine Reihe von echten Forschungsergebnissen gezeigt. Im Anschluss sollten die Versuchspersonen die Glaubwürdigkeit dieser Forschungsergebisse bewerten. Der Clou: Je nach Bedingung war den Versuchspersonen gesagt worden, dass die Forschungsergebnisse entweder aus Preprints, oder aus Fachartikeln mit Peer-Review-Verfahren stammten. Es zeigte sich allerdings, dass diese Information ohne eine nähere Erklärung keinen Einfluss auf die Glaubwürdigkeitseinschätzung hatte. Dies legt nahe, dass Sorgen über ein fehlendes Verständnis von Preprints berechtigt sein könnten.

In den Folgestudien zeigten die Wissenschaftler*innen daher ihren Versuchspersonen zunächst eine Erklärung von Preprints und dem Peer-Review-Prozess. Versuchspersonen, die diese Erklärung gelesen hatten, waren nun Preprints gegenüber wachsamer und schätzten diese als weniger glaubwürdig ein als etablierte Fachartikel. […] Auf der Grundlage dieses Ergebnisses empfehlen die Autor*innen, Preprints eine entsprechende Erklärung beizufügen. Auch Journalist*innen, die über Preprints berichten, sollten das Format idealerweise zunächst erklären, da viele Nicht-Wissenschaftler über Medien mit Forschungsergebnissen in Kontakt kommen. Dies würde es ermöglichen, die Vorteile von Preprints zu nutzen – etwa eine schnellere und leichter zugängliche Wissenschaftskommunikation – und gleichzeitig die Bedenken hinsichtlich eines zu großen Vertrauens der Öffentlichkeit in die präsentierten Ergebnisse zu verringern.

Vollständige Quelle: Universität zu Köln