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Migration und Sicherheit in der Stadt

Projekt "migsst" feiert Abschluss in Berlin

Das Projekt wird seit Herbst 2018 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der „Forschung für die zivile Sicherheit“ gefördert. In einem Verbund der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW (HSPV NRW), den Universitäten Tübingen, Münster und Bielefeld, der Deutschen Hochschule der Polizei und des Bundeskriminalamts wurden migrantisch geprägte Großstadtquartiere in Hinblick auf die Sicherheitslage, das Sicherheitsempfinden, die Maßnahmen zur Sicherheitsgestaltung, zur Prävention über Integration und Gemeinwesenarbeit sowie zur Quartierswahrnehmung untersucht.

NRW-Innenminister Herbert Reul eröffnete die Veranstaltung in der NRW-Landesvertretung in Berlin, an der Vertreterinnen aus der Wissenschaft, von Kommunen und Polizeien, Ministerien, Verbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen teilnahmen. Deutschland bezeichnete Reul in seinem Grußwort als „Einwanderungsland“. […] Seitens des BMBF hob Abteilungsleiterin Prof. Dr. Ina Schieferdecker in ihrem Grußwort hervor, wie wichtig es sei, dass im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogramms gewonnenen Erkenntnisse nicht als bloße Konzepte in irgendwelchen Schubladen liegen bleiben, sondern als wirksame, innovative Lösungen vor Ort bei den Praktiker*innen ankommen. Das Projekt migsst zeige, wie das gelingen könne, denn die Projektpartner*innen hätten ein Analyse- und Entscheidungsfindungsmodell entwickelt, mit dem die kommunalen Sicherheitsakteure ein wichtiges Werkzeug an die Hand bekommen werden, mit dem sie direkt im Quartier, auf der Straße, etwas bewirken können.

Detaillierter erläuterten in ihren Vorträgen Prof. Dr. Rita Haverkamp (Universität Tübingen) und Christiane Howe (HSPV NRW) die Forschungsergebnisse zur Sicherheitslage und -bewertung sowie zu weiteren Aspekten des Lebens im Quartier. Für die Bewohnenden der Quartiere seien weniger Aspekte der Kriminalität als Problempunkte relevant, während Ordnungsfragen, insbesondere zu Müll und Sperrmüll, die räumliche Gestaltung des Viertels und die Erfahrungen von Diskriminierung und Stigmatisierung als belastend empfunden werden.

Dr. Anne Burkhardt (Universität Tübingen) änderte die Perspektive und stellte heraus wie die Diskriminierung in der medialen Kommunikation erzeugt werde und welche Anforderungen an die Einbeziehung der Migrant*innen in die öffentliche Debatte zu stellen sind. Tanja Cornelius vom Bundeskriminalamt diskutierte die Möglichkeiten einer quartiersspezifisch gestalteten Sicherheitsarbeit, die eine verbesserte Informationslage benötige. Das vom BKA entwickelte Analysemodell könne Polizei und Kommune helfen, Problemlagen objektiver zu erfassen und damit zielgerichteter und weniger belastend in den Stadtteilen zu arbeiten.

Mit Thesen zu Forschungsergebnissen und Gegenthesen bzw. Kommentierungen von Expert*innen, die nicht in die Studie eingebunden waren, wurde die kritische Betrachtung der Untersuchungen angestoßen, konnten Erkenntnisse zu Ungleichheitsfragen im Quartier, zu den Anforderungen an evidenzbasiertes Sicherheitshandeln sowie zur notwendigen Erweiterung des Sicherheitsbegriffs in andere Debatten einbezogen und Anregungen für weitere Forschungen gewonnen werden.
In einer offenen Podiumsdiskussion nutzten die Teilnehmer*innen der Konferenz Gelegenheit ihre Anmerkungen und Fragen zur Studie und ihrer Methodik, zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen und deren Praxisrelevanz zu diskutieren. […]

Vollständige Quelle: HSPV NRW