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Linker oder rechter Protest

Demonstrationsbereitschaft und Gruppengröße

Die erwartete Anzahl von Teilnehmer*innen einer Kundgebung ist ausschlaggebend für die eigene Bereitschaft, sich an politisch linkem oder rechtem Protest zu beteiligen. Gegendemonstrationen hingegen motivieren Demonstrierende nicht, stärker zu protestieren. Das zeigt eine aktuelle Studie eines interdisziplinären Teams aus Politik- und Wirtschaftswissenschaftlern um Professor Dr. Christopher Roth am Exzellenzcluster ECONtribute an der Universität zu Köln. […]

Wann immer Gruppierungen wie die sogenannten Querdenker, „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida), oder Anhänger*innen der Alternative für Deutschland (AfD) eine Demonstration anmelden, kündigt die Gegenseite rasch ebenfalls eine Demonstration an. In diesem Zusammenhang interessierte Roth und sein Team die Wechselwirkung zwischen Kundgebung und Gegenkundgebung: Anhand zweier von der AfD angemeldeter Demonstrationen und entsprechender Gegendemonstrationen untersuchten sie, wie sich Demonstrierende als Reaktion auf unterschiedlich hohe Teilnahmezahlen der eigenen sowie der gegnerischen Veranstaltung verhielten. „Menschen reagieren je nach politischem Lager unterschiedlich“, sagt Roth. „Die eigene Bereitschaft zu demonstrieren hängt dabei jedoch nicht davon ab, wie viele Menschen der Gegenseite auf die Straße ziehen.“ […]

Die Ergebnisse: Politisch linke Aktivist*innen wollen 5,8 Prozentpunkte eher an der Demonstration teilnehmen, wenn sie mit einer hohen Teilnahmezahl in der eigenen Gruppe rechnen. Für rechte Aktivist*innen sinkt die Wahrscheinlichkeit bei einer größeren Anzahl Demonstrierender um 6,1 Prozentpunkte. Sie gehen den Ergebnissen zufolge also eher auf die Straße, wenn sie mit wenigen Teilnehmenden aus dem eigenen „Lager“ rechnen.

„Die Ergebnisse helfen dabei zu verstehen, wie auch Randgruppen systematisch Macht erlangen können“, sagt Roth. Dass geringe erwartete Teilnehmerzahlen Anhänger*innen rechter Gruppen eher zu einer Teilnahme anspornen, erkläre, warum Randgruppen wie etwa Pegida nie ganz aussterben.
Ein weiterer Grund für die unterschiedlichen Ergebnisse könne darin liegen, dass die eher dem linken Spektrum zuzuordnenden Aktivist*innen besser untereinander vernetzt seien und die Veranstaltung eher genießen. […]

Hier der Link zur englichsprachigen Studie.