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Hinter den Kulissen: Prof. Sahakiants

Forschende aus Köln stellen sich vor

Kurzinterview mit Prof. Dr. Ihar Sahakiants von der International Business School (CBS)

Prof. Sahakiants, Sie forschen an der CBS International Business School zu verschiedenen Aspekten des Personalmanagements. Unter anderem umfassen Ihre Forschungsinteressen das Thema nichtfinanzielle Berichterstattung über Human Resource Management und Corporate Governance. Was kann man sich darunter vorstellen?
Bei der nichtfinanziellen Berichterstattung handelt es sich um Informationen bezüglich verschiedener Aspekte der Geschäftstätigkeit, welche Unternehmen über die finanzielle Rechnungslegung hinaus regelmäßig veröffentlichen – entweder freiwillig oder aus einer gesetzlichen Verpflichtung heraus. Darunter fallen unter anderem eine ganze Reihe von Themen in den Bereichen „Corporate Social Responsibility“ (CSR) und „Sustainability“ im Sinne der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen und Nachhaltigkeit oder der damit verbundenen organisationalen Praktiken. Als Professor für International Human Resource Management lege ich dabei ein besonderes Augenmerk auf die Offenlegung hinsichtlich unterschiedlicher Personalmanagementpraktiken, wie zum Beispiel Entgeltfindung oder Personalentwicklung. Aber auch Corporate-Governance-Themen, das heißt Informationen bezüglich der Führung und Überwachung eines Unternehmens, wie zum Beispiel die Zusammensetzung und Aufgaben der Führungs- und Aufsichtsorgane, sind für mich von besonderem Interesse.

Aktuell arbeiten Sie als Projektleiter an einem internationalen Forschungsprojekt, welches sich mit den Auswirkungen der Richtlinie 2014/95/EU in Deutschland und Polen beschäftigt. Was besagt diese Richtlinie und welche Konsequenzen hat sie für die nichtfinanzielle Berichterstattung und das Personalmanagement beider Länder?
An diesem Projekt arbeiten wir seit Frühjahr 2020 in zwei internationalen Teams aus Deutschland und Polen mit Mitgliedern mehrerer wissenschaftlicher Einrichtungen. In Deutschland wird das Projekt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert, die polnischen Kollegen werden vom polnischen Nationalen Wissenschaftszentrum (NCN) finanziert.

Aufgrund der EU-Richtlinie 2014/95/EU, welche ins deutsche und polnische Recht umgesetzt wurde, sind bestimmte kapitalmarktorientierte Unternehmen verpflichtet, über nichtfinanzielle Themen zu berichten. Dazu gehören solche Aspekte wie Umweltbelange, Arbeitnehmerbelange, Sozialbelange, Achtung der Menschenrechte sowie Bekämpfung von Korruption und Bestechung.

Die Hauptzielsetzung unseres Projektes ist es jedoch, die Auswirkungen der genannten Richtlinie nicht nur auf die Berichterstattungspraxis, sondern auch auf tatsächliche Personalmanagement- und Corporate-Governance-Praktiken in den beiden Ländern zu untersuchen. Wir vermuten, dass solche Effekte durch die insgesamt verbesserte Transparenz hinsichtlich der sozial verantwortungsvollen und nachhaltigen Praktiken zustande kommen können.

Gibt es bereits Ergebnisse Ihrer Analyse – wenn ja, welche?
Es ist noch etwas verfrüht, über Endergebnisse zu sprechen. Aktuell befinden wir uns mit unserem Forschungsteam in den meisten Teilprojekten in einer Datenerhebungsphase. Grundsätzlich ist bei der vorläufigen Analyse der Unternehmensberichte in den beiden Ländern festzustellen, dass die von den deutschen Unternehmen veröffentlichten nichtfinanziellen Offenlegungen in der Regel sehr umfangreich und qualitativ hochwertig sind. Außerdem – anders als bei unserem östlichen Nachbarn – haben die meisten Unternehmen in Deutschland bereits vor der Einführung der entsprechenden Berichtspflicht einen sehr hohen Wert auf die umfassende und transparente Offenlegung vieler uns interessierender Themen gelegt. Somit ist zu erwarten, dass die ermittelten Auswirkungen der genannten Richtlinie – umgesetzt ins nationale Gesetz – auf die Berichterstattung in Deutschland weniger ausgeprägt als in Polen sein werden. Gleichwohl ist es jedoch möglich, dass die genannten Rechtsvorschriften auch einige deutsche Unternehmen erst dazu veranlasst haben, über bestimmte Themen zu berichten, über welche wiederum in Polen mehr Transparenz herrschen könnte.

Die Frage hinsichtlich der Effekte der entsprechenden Gesetzgebung auf die tatsächlichen Personalmanagement- und Corporate-Governance-Praktiken kann ebenfalls noch nicht eindeutig beantwortet werden. Um diese Frage zu untersuchen, führen wir aktuell Interviews mit verantwortlichen Mitarbeitern in den deutschen und polnischen Unternehmen. Eines konnten wir jedoch dabei eindeutig feststellen: ein verstärktes Engagement für Nachhaltigkeit und die damit verbundene nichtfinanzielle Berichterstattung in den deutschen Konzernen.

Was machen Sie am liebsten, wenn Sie nicht gerade arbeiten?
Es fällt mir manchmal schwer, die Arbeit von der Freizeit zu trennen, denn auch in der vorlesungsfreien Zeit oder in den Momenten, wo ich keine aktive Forschung betreibe, gehört Fachliteratur oft zu meiner Freizeitlektüre. Sonst versuche ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie – meiner Frau und meinen beiden Söhnen – zu verbringen. Meine Lieblingsbeschäftigungen sind dabei gemeinsame Wanderungen in der Natur, Reisen oder sportliche Aktivitäten. Außerdem bin ich ein leidenschaftlicher Gitarrenspieler, das Musizieren kommt aber in den letzten Jahren leider viel zu kurz.

ZUR PERSON
Prof. Dr. Ihar Sahakiants lehrt und forscht seit August 2015 als Professor für International Human Resource Management an der CBS International Business School in Köln. Vor seiner Promotion an der ESCP in Berlin konnte er umfangreiche internationale Erfahrungen – darunter auch im Führungsbereich – in unterschiedlichen Branchen sammeln. Seine Forschungsprojekte umfassen sowohl akademische als auch praxisorientierte Themen wie Auslandsentsendungen, Digitalisierung, internationale Entgeltfindung und Direktorenvergütung, Corporate Governance sowie sozial verantwortungsvolle Personalmanagementpraktiken und nichtfinanzielle Berichterstattung.