© Thilo Schmülgen/TH Köln

Hinter den Kulissen: Prof. Bhandari

Forschende aus Köln stellen sich vor

Kurzinterview mit Prof. Dr. Ramchandra Bhandari von der TH Köln

Sie arbeiten am Institut für Technologie und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen (ITT) an der TH Köln. Was sind Ihre Aufgaben am Institut?
Meine Hauptaufgaben am Institut sind die Lehre und die Forschung. Als Fachkoordinator des Masterstudiengangs REM (renewable energy management) bin ich für die thematische Ausrichtung verantwortlich. Weiterhin halte ich die Vorlesungen für verschiedene Module in den Bereichen von erneuerbaren Energien Ressourcen, nachhaltige Energiesysteme und dezentralisierte (netzunabhängige) Energieversorgungssysteme (insbesondere als Energieversorgungslösung in Entwicklungsländern, aus denen ein Großteil der REM-Studierenden stammt). Zusätzlich biete ich auch Vorlesungen für Studierende des Masterstudiengangs Erneuerbare Energien an einer anderen Fakultät an. Neben den Vorlesungen steht auch die Betreuung von Studierendenprojekten und Masterarbeiten auf meinem wöchentlichen Arbeitsplan.

Die Forschung ist nicht nur der andere Schwerpunkt meiner Arbeit am Institut, sondern auch gleichzeitig meine Leidenschaft. Ich verantworte und koordiniere verschiedene Forschungsprojekte, die zum Großteil gemeinsam mit internationalen Partnern durchgeführt werden. Die Projekte sind in verschiedenen Themengebieten von der nachhaltigen Energieversorgung über den Energie-Wirtschaftsnexus (wirtschaftliche Entwicklung angetrieben durch erneuerbare Energien) bis hin zur ökologischen Lebenszyklusanalyse von Energiesystemen angesiedelt. Im Rahmen dieser Projekte betreue ich auch einige Promovierende in Kooperation mit Partneruniversitäten in und außerhalb von Deutschland.

Bei einem Großteil der Forschungsprojekte binde ich aktiv Studierende ein, damit diese bereits erste praktische Erfahrungen sammeln können. Im Gegenzug greife ich die Forschungsergebnisse in meinen Vorlesungen auf um den Kreis zwischen Forschung und Lehre zu schließen.

Eines Ihrer aktuellen Forschungsprojekte hat die Abkürzung RETO-DOSSO. Was verbirgt sich dahinter und was möchten Sie mit dem Projekt erreichen?
Der vollständige Name des Projektes lautet: Wissenschaft trifft Schule – Erneuerbare Energien angetriebener Wasser-Nahrung-Ökonomie Nexus zur Verbesserung der Lebensbedingungen in der Dosso-Region in Niger – Erneuerbare Energie für Wirtschaftszentrum. Das Ziel des Projektes ist es mit Hilfe von dezentralen Energiesystemen basierend auf erneuerbarer Energie die lokale Wirtschaft anzukurbeln und das Bewusstsein für die Nutzung solcher Technologien zu schärfen. Dabei sollen insbesondere die Schüler*innen und durch diese auch die Eltern angesprochen werden! Zudem sollen die Möglichkeiten der Wasserstoffproduktion durch solare Energien (sogenannter grüner Wasserstoff) untersucht werden. Der gewonnene Wasserstoff könnte als Treibstoff für zukünftige Energieversorgungssysteme genützt werden.

Trotz wesentlicher Verbesserungen und Innovationen der weltweiten elektrischen Energieversorgung innerhalb der letzten Jahre, haben nach wie vor schätzungsweise mehr als eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu verlässlicher Stromversorgung. Ein Großteil dieser Menschen lebt im Raum Subsahara-Afrika. Aufgrund eines Mangels an Informationen und Wissen zur theoretischen und praktischen Umsetzung von Projekten, fällt es ländlichen Kleinstunternehmen in diesem Raum schwer sich zu entfalten. Dies zeigt sich besonders in dem ansteigenden Trend der Migration vom ländlichen hin zum städtischen Wohnraum zwecks der Einkommensbeschaffung. Für die Versorgung der Einwohner der ländlichen Gebiete mit dem grundlegenden Lebensstandard und Wohlbefindens in Westafrika, ist es dringend notwendig eine nachhaltige, ländliche Wirtschaft zu etablieren. In diesem Zuge wollen wir die elektrische Energie, die aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird, nutzen um Grundbedürfnisse wie den Zugang zu Wasser und Nahrung sicherzustellen. Zusätzlich soll die lokale, ländliche Wirtschaft gestärkt werden, indem innerhalb der Bevölkerung das Bewusstsein für einfache, aber kreative Geschäftsideen zur lokalen Einkommensbeschaffung geweckt wird. Eine Pilotanlage ist notwendig, um die soziale Akzeptanz und die wirtschaftliche Nachhaltigkeit des vorgeschlagenen Projektes untersuchen zu können. Diese Anlage soll bei einer Sekundarschule in einem Dorf in der Region Dosso in Niger errichtet werden. Zusätzlich zum alltäglichen Schulunterricht wird die Schule somit dazu beitragen, das Konzept von nachhaltigen und klimafreundlichen Energiesystemen den Einwohnern von Kindesbeinen an nahe zu bringen.

An unserer Partnerhochschule (Universitiy of Niamey, UAM) sollen zwei Labore zu den Themen „Hybrid Renewable Energy“ (hybride erneuerbare Energiesysteme) und „Green Hydrogen“ (grüner Wasserstoff) eingerichtet werden. Mithilfe dieser Ausstattung soll die UAM eine führende Rolle zur Weiterbildung bei der Erforschung dieser signifikanten Themen einnehmen. Ein weiteres Ziel der Ausstattung der Universität ist ein zukünftiger engerer Austausch zwischen den Partnerinstitutionen, insbesondere von Studierenden sowie von jungen Ingenieur*innen und Forscher*innen. Zudem trägt das gesamte Projekt zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN bei (SDGs 1, 2, 4, 7, 13).

Inwieweit beeinflusst das Thema Ressourcenmanagement auch Ihr privates Leben?
Obwohl ich das Thema nicht zu ideologisch betrachte, wird unser Alltag tatsächlich überall, wo es praktisch möglich ist, durch das Ressourcenmanagement beeinflusst. Dabei reicht der Einfluss über tägliche Aktivitäten im Haushalt hin zu Nahrungsmitteln und Mobilität. Innerhalb von Köln und auch Deutschland nutzen wir fast ausschließlich öffentliche Verkehrsmittel. Leider muss ich jedoch für internationale Reisen fliegen. Dies trifft auch auf Reisen in mein Heimatsland Nepal zu, wenn ich meine Familie besuchen möchte.

Was hat Sie nach Köln gebracht und was lieben Sie an der Stadt am meisten?
Tatsächlich hat es mich bereits zweimal nach Köln gezogen, zuerst als Masterstudent im Wintersemester 2005/2006 und im Jahr 2013 als Professor an der TH Köln. Während meine Rückkehr 2013 geplant war, war meine Erstankunft 2005 ein Zufall. Nachdem ich in Nepal mein Bachelorstudium erfolgreich beendet hatte, habe ich dort in einem Forschungszentrum als Projektingenieur (für erneuerbare Energien) gearbeitet. Um meine weitere Karriere voranzutreiben habe ich geplant, außerhalb von Nepal ein weiterbildendes Studium zum Thema Erneuerbare Energien aufzunehmen. Auf der Suche nach Stipendien für ein Masterstudium im Bereich der erneuerbaren Energien im Ausland hat mir einer meiner Professoren vom Stipendium des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) berichtet. Basierend auf seiner Empfehlung habe ich mich Ende 2004 darauf beworben. Das Stipendium wurde mir gewährt und ich kam nach Köln! Vor meiner Ankunft in Köln hatte ich keine Ahnung von der lokalen Geografie, der Kultur und dem Lebensstil. Damals war Internet (z.B. Wikipedia) noch nicht so ausgeprägt wie heutzutage und boten viel weniger Inhalt um sich zu informieren (Youtube war ja noch nicht mal da!). Auch der Zugang zum Internet war nicht so leicht herzustellen. Ich hätte in jeder Stadt auf der Welt landen können, doch es wurde Köln! Nachdem ich einige Jahre dort gelebt habe, habe ich eine innige Verbindung zu der Stadt aufgebaut – man könnte Köln auch als meinen zweiten Geburtsort beschreiben! Das ist nur einer der Gründe warum ich 2013 zurückgekehrt bin und auch mindestens für die nächsten Jahrzehnte meine Zukunft in Köln sehe.

Insbesondere gefallen mir an Köln die positive Verrücktheit und die Offenheit im Umgang mit der städtischen Kultur (Karneval, lokale Brauereien, eine Vielzahl an Outdoorevents im Sommer, etc.). Meiner Meinung nach wird jeder Mensch, unabhängig seines kulturellen Hintergrundes, in der Gesellschaft dort akzeptiert und vollumfänglich in die Vielfalt der Stadt integriert. Ich, als Ausländer, fühle mich persönlich sehr wohl und genieße es hier zu leben. Die Nähe zum Rhein ist eines meiner Highlights am Leben in Köln. Ich kann Stunden am Flussufer verbringen und das Fließen des Wassers genießen.

ZUR PERSON
Prof. Dr. Ramchandra Bhandari wuchs in Nepal auf und absolviert dort sein Bachelorstudium in Maschinenbau an der Tribhuvan University. 2010 schrieb er erfolgreich seine Dissertation im Bereich der erneuerbaren Energien an der Universität Kassel. Im Anschluss arbeitete er beim Zentrum für erneuerbare Energien der Universität Freiburg sowie für das Institut für Energie- und Klimaforschung am Forschungszentrum Jülich. Seit März 2013 arbeitet er als Professor für „Renewable Energy Systems“ an der TH Köln und schon ein Jahr später wird er dort stellvertretender Institutsleiter des Cologne Institute for Renewable Energy (CIRE).

Prof. Bhandari kann auf ein Jahrzehnt voller Erfahrungen im Bereich der erneuerbaren Energien zurückblicken. Bhandari hat bereits verschiedene Forschungsprojekte im Bereich seiner Forschungsinteressen mit Partnerinstitutionen in Afrika und Asien erfolgreich abgeschlossen. Momentan leitet er mehrere Projekte im Energiesektor, von denen die meisten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Er hat eine Vielzahl von wissenschaftlichen Artikeln in Peer-Reviewed- Journalen veröffentlicht. Außerdem ist er Gutachter für verschiedene internationale Journals und Preisträger des „Forschungspreises der TH Köln 2021“.