© pixabay

Heilsame Pferde

Den Therapieerfolg mit einer App messbar machen

Sie sind groß, stark, ihr Fell ist weich und mit ihren langen Wimpern und dunklen Kulleraugen vermögen sie sogar Menschen zu erobern, die sonst nicht allzu viel mit Tieren anfangen können: Pferde. Vor allem den ruhigen Kaltblütern wird nachgesagt, dass sie mit ihrem sanften Gemüt bei verschieden Erkrankungen eine heilsame Wirkung haben können.

Diesen Effekt macht sich das Therapeutische Reiten zunutze, bei dem die Erkrankten auf vielfältige Weise mit Pferden in Kontakt kommen oder auf ihnen reiten. Die Interaktion mit den Tieren – so beschreibt es Isabel Stolz vom Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft (DSHS Köln) – kann beispielsweise Kindern helfen, die sich nur schwer auf eine klassische Therapie in einer Praxis einlassen können. Bei Aufmerksamkeitsdefizits-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) können Pferde die Patient*innen dabei unterstützen, wiederkehrende Abläufe zu erlernen, Körperspannung aufzubauen und sich zu entspannen oder ihre Emotionen besser zu regulieren. Die rhythmischen Bewegungen des Pferdes können beim Reiten in physiotherapeutischer Therapieform (Hippotherapie) etwa bei der Multiplen Sklerose das Gangbild, die Balance oder die Koordination verbessern. Der Haken: Die vielfältigen Wirkungen, die Therapeut*innen dem Reiten zuschreiben, sind bislang nicht ausreichend wissenschaftlich belegt.

Isabel Stolz forscht nun im Rahmen ihrer Promotion zu den Effekten des Therapeutischen Reitens und dazu, wie man diese messen kann. Sie sagt, dass Therapeut*innen derzeit ein Tool fehle, um den Therapieerfolg passgenau zu erfassen. Forschenden fehle wiederum die Möglichkeit, die Effekte aus verschieden strukturierten Therapieprotokollen mit den allgemeingültigen Anforderungen aus dem Gesundheits- und Rehabilitationssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu verknüpfen. „Es ist zwar allgemein bekannt und akzeptiert, dass Therapeutisches Reiten positive Effekte erzielen kann“, sagt Isabel Stolz, „weil aber die wissenschaftliche Evidenz fehlt, werden Therapiestunden nicht über Kostenträger – zum Beispiel im Gesundheitswesen – finanziert.“

In einer knapp zweieinhalbjährigen Studie mit verschiedenen Projektpartnern hat sie ein Beurteilungstool und die „EQUITEDO-App“ entwickelt, das den Therapieerfolg des Therapeutischen Reitens messbar machen kann. Es basiert auf der sogenannten ICF-Klassifizierung der WHO. ICF steht für „International Classification of Functioning, Disability and Health” und dient in Rehabilitationskontexten dazu, die Funktionsfähigkeit eines Menschen bezogen auf Person, Körper, Teilhabe und Umwelt ganzheitlich abzubilden. Funktionsfähigkeit beschreibt in diesem Zusammenhang den Gesundheitszustand einer Person und inwiefern sie in der Lage ist, in der jeweiligen Umgebung aktiv am Leben teilhaben zu können. Anhand der Klassifizierung nach ICF werden unter anderem Gesundheitssysteme überwacht und der Erfolg von Rehabilitationsmaßnahmen abgeleitet. Die ICF-Klassifizierung soll in dem von Isabel Stolz entwickelten Tool ermöglichen, dass die Therapieerfolge nicht nur von Therapeut*innen dokumentiert, sondern auch auf die Klassifizierung des Gesundheits- und Rehabilitationssystems und dadurch die international gemeinsame Sprache der WHO übertragen werden können […].

Vollständige Quelle: DSHS