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Gender und Queer Studies

Rita Süssmuth-Forschungspreis NRW

„In der Alltagswelt unserer Kultur wird nur von zwei Geschlechtern, Männern und Frauen, ausgegangen. In diese Muster werden wir hineinsozialisiert. So ist etwa Männlichkeit eng mit Wettbewerb verknüpft und eine entsprechende Haltung wird früh und immer wieder eingeübt. […] Geschlechterforschung trägt dazu bei, solche Dynamiken zu erkennen. Sie stellt Wissen über Ungleichheit zur Verfügung und schafft damit Voraussetzungen, um Gesellschaft demokratischer und gerechter gestalten zu können“, sagt die Preisträgerin Dr. Barbara Umrath.

Sie ist derzeit Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der TH Köln und leitet das Projekt „Gender als Handlungskompetenz und transdisziplinäre Analyseperspektive – Soziale Innovation in Lehre und Studium“. Alltagsweltliche Geschlechter-Stereotype können sich auch in der Lehre festschreiben. Um dem vorzubeugen, werden im Projekt Lehrende bei der Weiterentwicklung von Studiengängen und Lehrveranstaltungen unterstützt, indem Erkenntnisse der Geschlechterforschung hinzugezogen werden. Dafür werden die Lehrenden unter anderem mit Expert*innen ihres jeweiligen Fachgebiets zusammengebracht, die zudem auch über Qualifikationen in Hinblick auf die Genderperspektive verfügen.

Diese geben wichtige Impulse, wie Lehrinhalte geschlechtergerecht präsentiert werden können. „Es geht darum, Lehre auf der Basis wissenschaftlichen, nicht alltagsweltlichen Geschlechterwissens zu gestalten und dies in die Breite der Hochschule zu tragen“, so Projektleiterin Umrath. Für Studierende wird seit 2016 das Zertifikat „Genderkompetenz“ als Zusatzqualifikation der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften angeboten. […] Die Studierenden erwerben Wissen über die Relevanz von Geschlecht, vertiefen Reflexionskompetenzen und lernen Ansätze für ein geschlechtersensibles und -gerechtes Handeln kennen. […] Der Studiengang Gender and Queer Studies, an dessen Implementierung Dr. Umrath maßgeblich beteiligt war, wird von der TH Köln gemeinsam mit der Universität zu Köln und unter Beteiligung der Hochschule für Musik und Tanz Köln angeboten.

2018 promovierte Umrath in Soziologie an der Europa-Universität Flensburg mit der Dissertationsschrift „Geschlecht, Familie, Sexualität – Die Entwicklung der Kritischen Theorie aus der Perspektive sozialwissenschaftlicher Geschlechterforschung“. Darin arbeitete sie heraus, dass die sogenannte Frankfurter Schule zwischen den 1930er- und 1960er-Jahren erste Schritte einer kritischen Betrachtung gesellschaftlicher Geschlechterverhältnisses unternahm und eröffnete damit eine neue Lesart dieses Klassikers der Gesellschaftstheorie.

Parallel zu ihrer Tätigkeit für die TH Köln macht Umrath seit 2019 als Referentin für Evaluation bei der international tätigen feministischen Frauenrechts- und Hilfsorganisation medica mondiale e.V. ihre wissenschaftliche Expertise für die Praxis fruchtbar. […]

Vollständige Quelle: TH Köln