Prof. Dr. Jessen © Klaus Schmidt

Gedächtnisambulanzen für Demenzerkrankte

Neues Netzwerk gegründet

Mit der älter werdenden Gesellschaft steigt die Zahl von Demenzerkrankungen kontinuierlich an, vor diesem Hintergrund werden auch die Gedächtnisambulanzen in Deutschland immer wichtiger. Die Forschung zu neuen Therapien ist intensiv und die Hoffnung auf Durchbrüche bei der spezifischen Behandlung einzelner Demenzformen, wie der Alzheimer-Krankheit, ist groß. Um die Arbeit der Experten optimal zu vernetzen und Fortschritte aus der Forschung schnellstmöglich für Patienten verfügbar zu machen, ist jetzt das Deutsche Netzwerk Gedächtnisambulanzen (DNG) gegründet worden.

Durch den wissenschaftlichen Fortschritt, insbesondere im Bereich der Biomarker, haben sich die Möglichkeiten der Früh- und Differenzialdiagnostik erheblich verbessert. Es entstehen völlig neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen, beispielsweise im Bereich der Biomarker-basierten Früherkennung, Aufklärung und Präventionsberatung sowie zukünftig bei der Indikationsstellung und des Monitorings neuer Therapien. Die Gedächtnisambulanzen in Deutschland spielen bei diesen Entwicklungen eine zentrale Rolle. Sie sind die Expertenzentren für den direkten Transfer des wissenschaftlichen Fortschritts in die Praxis. Gedächtnisambulanzen sind seit Ende der 80er Jahre zunächst an Universitätskliniken und heute weit darüber hinaus etabliert.

Die Beteiligten
Univ.-Prof. Dr. Frank Jessen, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Köln und Forscher am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), ist Sprecher des DNG: „Die Gründung des Netzwerkes war ein erforderlicher Schritt vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklungen in Diagnostik und Therapie von Demenzen. Wir haben folgende Ziele: Überführung von Innovationen aus der Forschung in die Versorgung, Weiterentwicklung gemeinsamer Qualitätsstandards, Durchführung hochwertiger Fort- und Weiterbildungen, Vertiefung der lokale Vernetzung der Gedächtnisambulanzen mit den Versorgern von Demenzerkrankten und Interessensvertretung gegenüber Versorgungspartnern.“

Univ.-Prof. Dr. Jörg Schulz, Neurologe an der Uniklinik Aachen und zweiter Sprecher des DNG betont: „Aufgrund der rasanten Entwicklung in der Diagnostik von Demenzerkrankungen und der wahrscheinlich bald verfügbaren spezifischen Therapien sind Gedächtnisambulanzen zwingend erforderlich, um den Fortschritt schnell und hochwertig in die Versorgung zu bringen.“

Univ.-Prof. Dr. Robert Perneczky, Psychiater am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und Schriftführer des DNG ergänzt: „Die Lebensqualität von Menschen mit Demenz hängt stark von einer raschen und präzisen Diagnostik ab. Spezialisierte Gedächtnisambulanzen leisten dabei einen unschätzbaren Beitrag.“

Vollständige Quelle: Uniklinik Köln