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Digitaler Fußabdruck

Verkehrsteilnehmer*innen bewerten Geodaten

Menschen produzieren Daten, wenn sie sich fortbewegen – unabhängig davon, ob mit dem Auto, den öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß. Denn Apps und elektronische Assistenten generieren immer mehr Daten. „Die Menge an Daten durch die zunehmende Digitalisierung im Lebensbereich Mobilität ist bisher unstrukturiert. Ziel des Projekts war es, die sogenannten Mobilitätsdaten zu kartieren, um Entstehung, potenzielle Verarbeitung und Nutzung möglichst umfassend darzustellen“, sagt Prof. Horst Müller-Peters vom Institut für Versicherungswesen der TH Köln.

Dafür wurden die Datenspuren von 13 bundesweit verteilten Autofahrer*innen sowie Smartphone-Nutzer*innen im Alter von 26 bis 54 Jahren über drei Wochen beobachtet. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Community, mit der in die Tiefe geforscht wird. Die Darstellung dient allein der Beschreibung der Community und ist nicht auf die Gesamtpopulation zu übertragen. Die Beobachtung zeigte, dass Mobilitätsdaten bei der Nutzung von Smartphones, Wearables wie Smartwatches oder Fitnessuhren, Apps, Fahrzeugen, Sharing-Mobilitätsdiensten und öffentlichen Verkehrsmitteln entstehen. Die Teilnehmenden führten jeweils ein Tagebuch über ihr persönliches Mobilitätsverhalten. Erfasst wurden außerdem Einstellungen, Motive und Bedürfnisse rund um Mobilität und digitale Mobilitätsservices. Müller-Peters fertigte nach der Beobachtungphase individuelle Datenkarten an.

Zur Bewertung des eigenen digitalen Fußabdrucks wurden die Teilnehmenden mit ihrer individuellen Datenspur konfrontiert, kombiniert mit einer Befragung. Dabei ging es etwa darum, wie sie ihre persönliche Datenmenge einschätzen. Es zeigte sich ein breites Bewusstsein darüber, grundsätzlich Mobilitätsdatenspuren zu hinterlassen. Das Ausmaß und die Vernetzung dieser Daten wurde allerdings deutlich unterschätzt. Die konkrete Beschäftigung mit den eigenen Datenspuren wurde als unangenehm bewertet. Die Suche nach Datenfreigaben und Einstellungen empfanden die Teilnehmenden insbesondere beim Auto als schwer.

Für alle Teilnehmenden überwiegten die Vorteile der Services: „Die Befragten möchten die Dienste nicht mehr missen, da diese zu einem ständigen Begleiter geworden sind, der in Form der Verkehrsassistenzsysteme einen Zugewinn an Sicherheit bietet, aber auch an Komfort und Entspannung. Vor allem ermöglichen sie mehr Freiheit und Kontrolle“, so Müller-Peters. In dem von Stau und Stress geprägten Verkehr wurden die digitalen Services mit Entlastung, Autonomie und Kontrolle verbunden. Negative Aspekte waren unter anderem Befürchtungen bezüglich der Abhängigkeit von Technik, dem Verlust eigener Kompetenzen sowie Unsicherheiten beim Datenschutz.

Zudem wurde die Vernetzung der Daten analysiert. Eine digitale Vernetzung findet zum Beispiel zwischen Daten zu Wohn- und Arbeitsorten, Lieblingsgeschäften, Fahrstil und Musikgeschmack statt. Die Ortungsdaten aus dem Smartphone, der Navigation oder dem Bordcomputer im Auto geben Informationen darüber, welche Lokale, medizinische Einrichtungen oder Umstiegsmöglichkeiten zum öffentlichen Verkehr aufgesucht wurden. „Die Vernetzung digitaler Daten steht jedoch heutzutage noch am Anfang. Einige Anwendungen, zum Beispiel im Bereich Vitaldaten, sind bislang noch nicht in der Breite verfügbar. Es ist aber davon auszugehen, dass in Zukunft immer mehr Daten untereinander verknüpft genutzt werden“, erklärt Müller-Peters. […]

Vollständige Quelle: TH Köln