Kirche St. Kamillus in Mönchengladbach-Dahl © Hartmut Junker

Wenn Kirchen nicht mehr Kirchen sind

Forschungsprojekt zur Nutzung von Sakralbauten

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat im März 2020 die neue DFG-Forschungsgruppe „Sakralraumtransformation – Funktion und Nutzung religiöser Orte in Deutschland“ (TRANSARA) für voraussichtlich sechs Jahre mit einem Gesamtfördervolumen von 2,5 Mio. Euro bewilligt. Federführend ist die Universität Bonn, mit Beteiligung der Universitäten Köln, Leipzig und Wuppertal sowie Partnern aus den Bereichen Theologie, Liturgiewissenschaft, Architektur, Kunstgeschichte und Immobilienwirtschaft. Für die Kölner Universität ist Professorin Dr. Stefanie Lieb am Kunsthistorischen Institut beteiligt.

Kirchengebäude sind heutzutage eine bedrohte Baugattung – ähnlich, wie es vor zwei Jahrzehnten die Industriebauten waren. Letztere werden inzwischen häufig intelligent und nachhaltig als Kulturstätten genutzt. Für Kirchenbauten, die unter anderem aufgrund rückläufiger Kirchenmitgliederzahlen und schwindender finanzieller Mittel teilweise in ihrem Bestand bedroht sind, fehlt es vielerorts noch an kreativen Konzepten. Verschärfend kommt hinzu, dass Sakralräume eine spezifische Aufladung und Atmosphäre transportieren, die sich nicht ohne Weiteres transformieren lassen.

Das an der Abteilung Architekturgeschichte des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln angesiedelte Teilprojekt der Forschungsgruppe TRANSARA beschäftigt sich mit den „Kunst- und architekturhistorischen Prozessen der Sakralraumtransformation im Raum Aachen und Leipzig“. Die zentralen Fragestellungen lauten hier, welche kunst- und architekturhistorischen Kriterien beim Entscheidungsprozess für Sakralraumtransformationen in den Räumen Aachen und Leipzig seit 1990 zum Tragen gekommen sind, welche grundlegenden Unterschiede hierbei zwischen West- und Ostdeutschland bestehen und wie die herausgearbeiteten Kriterien gegebenenfalls für eine zukünftige Nutzung religiöser Orte sowie den Erhalt des bedeutenden Kulturraums „Kirche“ modifiziert werden können.

Ein besonderer Schwerpunkt im Forschungsprojekt liegt auf der Gruppe der Nachkriegskirchen, die seit 1945 entstanden sind. „Diese Orte haben bis jetzt noch keine adäquate kunsthistorische Aufarbeitung und Würdigung erfahren, sind aber bereits schon wieder akut in ihrem Bestand bedroht“, sagt Stefanie Lieb. „Diese teilweise sehr qualitätvolle Kirchenarchitektur der 1950er bis 70er Jahre gilt es nun möglichst schnell zu erfassen und mit ihrem Potenzial für intelligente und Substanz-erhaltende Umnutzungskonzepte hervorzuheben.“

Als erstes Ziel der dann abgeschlossenen Erfassungsphase steht nach circa zwei Jahren eine große Ausstellung mit Begleitpublikation an. Sie wird zusammen mit dem Teilprojekt „Architektonische Perspektiven der Sakralraumtransformation in Aachen und Leipzig“ der Universität Wuppertal (Professor Dr. Ulrich Königs) erarbeitet und präsentiert herausragende Beispiele von kreativ genutzten religiösen Orten.

Vollständige Quelle: Uni Köln