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Verantwortung der Wissenschaft

Wissenschaftler müssen aufklären und Sachverhalte einordnen

CBS: Der UNESCO Gedenktag soll an den Beitrag der Wissenschaften für Frieden und Entwicklung erinnern. Worin besteht dieser Beitrag aus Ihrer Sicht konkret?
Prof. Fröhlich: Wissenschaftlern stehen seit jeher in der Verantwortung, die breite Öffentlichkeit über neueste Entwicklungen zu informieren und in aktuelle Debatten einzubeziehen. Sie tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, dass sich unser Verständnis für all jenes, was die Welt im Innersten zusammenhält, zu erweitern und unsere Gesellschaften nachhaltiger zu gestalten. In Zeiten der emotionalisierten Fridays for Future-Bewegung halte ich es für unerlässlich, dass wir aus Sicht der Wissenschaft evidenzbasierte Lösungen für die Fragen unserer Zeit aufzeigen.

CBS: Welche Rolle sollte Wissenschaft im postfaktischen Zeitalter spielen?
Prof. Fröhlich: Jeder von uns ist durch die Digitalisierung mit einer Masse an Informationen konfrontiert, die ungefiltert ein Millionenpublikum erreichen. Welche Informationen sind evidenzbasierte Fakten? Und welche nur „gefühlte“ Wahrheiten? Hier müssen unsere Wissenschaftler/-innen aktiv werden, indem sie aufklären und Sachverhalte nach aktuellstem Forschungsstand einordnen. Wir dürfen Wissenschaftsskeptikern nicht das Feld überlassen, sondern müssen uns in die Debatten einbringen – und die Relevanz einer freier Wissenschaft schlüssig darlegen. Meine geschätzte Kollegin Ingvill Mochmann, Teamleiterin EUROLAB bei der GESIS und CBS-Professorin für International Politics, hat dies einmal auf den Punkt gebracht: „Wissenschaft bedeutet nicht nur Erkenntnisse zu gewinnen, sondern diese auch im Sinne einer friedlichen, nachhaltigen und gerechten Welt zu nutzen.“

CBS: Was macht Köln für Sie, als Präsidentin der Kölner Wissenschaftsrunde, zu einem begehrten Wissenschaftsstandort?
Prof. Fröhlich: Die Kölner Wissenschaftslandschaft besticht durch ihre Vielfalt. An 19 Hochschulen und 12 außeruniversitären Forschungseinrichtungen findet interdisziplinäre Spitzenforschung statt – von Luft- und Raumfahrt, über Pflanzenwissenschaften bis zur Altersforschung. Mit dem Zusammenschluss dieser Institutionen in der „Kölner Wissenschaftsrunde“ möchten wir dieses Potential besser sichtbar machen, Kooperationen zwischen den Einrichtungen fördern und internationale Wissenschaftler von den Forschungsmöglichkeiten in unserer Stadt begeistern.

CBS: An welchen Zukunftsthemen wird an der CBS geforscht?
Prof. Fröhlich: Die Bereiche Nachhaltiges Management und Digitalisierung stehen im Kern unserer Forschungsarbeit, für die wir das Konzept des „Corporate Digital Responsibility“ ausgearbeitet haben. Aktuell forschen unsere Wissenschaftler an fünf Cluster: „Business Transformation“, „Entrepreneurship & Innovation“, „Leadership, People & Organisation“, „Financial Markets & Rising Economies“ und „Education & Methods“. In den kommenden Monaten wird unser Fokus stärker auf das Forschungscluster „Education & Methods“ liegen, da wir weitere Studienprogramme mit den Abschlüssen „Bachelor of Science“ und „Master of Science“ einführen möchten. Dazu werden wir integrierte Curricula für nachhaltiges Management und Digitalisierung implementieren und neue Methoden für Forschung und Lehre entwickeln.

CBS: Wie fördern Sie Ihre jungen Wissenschaftler?
Prof. Fröhlich: Unsere Studierenden werden von Anfang an in unsere Forschungsprojekte einbezogen – sei es durch Paper Summarys oder gemeinsame Publikationen mit unseren Wissenschaftlern des Center for Advanced Sustainable Management (CASM). Unsere Nachwuchswissenschaftler binden wir zudem als Dozenten in unsere Lehrveranstaltungen ein und schaffen somit einen direkten Wissenstransfer von der Forschung in die Lehre.

Vollständige Quelle: CBS