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Inklusionsgedanke vs. Realität

Gut gemeint und schlecht gemacht

Worüber sprechen wir eigentlich, wenn wir von Inklusion reden? Und wie wird Inklusion im deutschen Bildungssystem umgesetzt? Professorin Dr. Andrea Platte, Bildungsdidaktikerin an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften, über den ursprünglichen Inklusionsgedanken und die gelebte Realität: zwei Welten. {…}

Was wäre denn idealtypisch inklusiv?
Was heute unter dem Label Inklusion praktiziert wird, ist eigentlich Integration. Diese beiden Begriffe werden oft verwechselt. {…} Inklusive Bildung in ihrer ursprünglichen Form meint nicht, dass das bestehende Schulsystem Kinder mit sogenanntem sonderpädagogischem Förderbedarf aufnimmt. Der Gedanke ist anders herum und geht auch darüber hinaus. {…} Auf welchem Entwicklungsstand das Kind ist, ob ihm eine Behinderung zugewiesen wird, welche Sprache es spricht oder woher es kommt – das alles kann im Sinne inklusiver Bildung nicht dazu führen, dass ein Kind einer bestimmten Klasse oder Schulform zugewiesen wird. Sondern diese Eigenschaften bilden die Grundlage und Bedingung gemeinsamen Lernens.

Was versteht unser Schulsystem denn unter einem „normalen” Kind?
Unser aktuelles Schulsystem geht von Kindern mit einer erwarteten durchschnittlichen Entwicklung aus, die je nach Alter bestimmte Fähigkeiten mitbringen. {…} Kinder, die diesen Erwartungen nicht entsprechen, werden als abweichend wahrgenommen und bekommen das auch zu spüren – ganz unabhängig davon, ob die vermeintliche Abweichung als Behinderung diagnostiziert oder anders begründet wird. Da müssen wir umdenken, um inklusive Bildung zu erreichen.

Wir sollten also das System völlig neu aufbauen und ausrichten?
Das wäre wünschenswert. Denn momentan werden Schülerinnen und Schüler aussortiert, indem sie eine Klasse wiederholen oder auf eine andere Schulform geschickt werden. Solange dies so ist, muss man doch nicht darüber nachdenken, ob in der gleichen Klasse zum Beispiel ein Schüler mit Down-Syndrom zieldifferent unterrichtet wird und gar keine Noten erhält. {…}

Vollständige Meldung der TH Köln