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Herausforderungen durch Corona: FHDW

Flexibilität ist gefragt

Wie reagieren Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen in Köln auf die aktuellen Herausforderungen durch die Corona-Krise? Das haben wir die Mitglieder der Kölner Wissenschaftsrunde gefragt. Wie die Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach mit der Krise umgeht, hat uns Dr.-Ing. Alexander Brändle mitgeteilt.

Was ist für Ihre Einrichtung derzeit die größte Herausforderung in der Corona-Krisen-Situation?

Das ist sicher die Koordination mit unseren Partnerunternehmen. Unsere Studierenden absolvieren die Praxisphasen ihrer dualen Studiengänge Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaft in den Unternehmen, sind dort zum Teil in komplexe Projekte eingebunden oder arbeiten in Abstimmung mit den Unternehmen an ihrer Bachelor-Thesis. Da die Prozesse in vielen Unternehmen aber zurzeit alles andere als normal laufen, stellt uns das vor eine Herausforderung, die wir bisher gut bewältigen konnten. Außerdem bieten wir duale Studiengänge in Kombination mit IHK-Ausbildungsabschlüssen an. Auch da ist gerade unsere Flexibilität gefragt.

Was leistet Ihre Hochschule aktuell, um den Lehr- und Forschungsbetrieb aufrecht zu erhalten?

Wir haben unseren kompletten Studienbetrieb schon Mitte März auf digitale Lern- und Arbeitsmethoden umgestellt. So konnten wir unseren Studierenden garantieren, ohne Unterbrechung und ohne Zeitverzug trotz der Corona-Situation weiter zu studieren. Die Studierenden sind zu Hause oder in unserem Wohnheim und bekommen ohne Ausnahme alle Inhalte vermittelt, die sie für ihr Studium brauchen. Interaktive Webinar-Formen ersetzen die Vorlesungen, Arbeitsgruppen sind online vernetzt. Wir hatten den enormen Vorteil, dass große Teile unserer Masterstudiengänge schon seit zehn Jahren in digitaler Form ablaufen. So mussten wir die Technik nur noch auf die Bachelorstudiengänge transferieren und unsere Dozenten gezielt darauf schulen. Das hat sehr gut und zeitnah funktioniert.
Genauso profitiert unsere Wissenschaft von der digitalen Technik. Auch hier ist man online gut vernetzt, arbeitet in digitalen Arbeitsgruppen zusammen und tauscht sich regelmäßig in Videokonferenzen aus. Auch das war schon vor Corona der Fall.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie langfristig auf die Abläufe Ihrer Einrichtung aus? Welche strukturellen Veränderungen werden zukünftig eine größere Rolle spielen?

Das ist im Moment sicher noch nicht abschließend zu beantworten. Es ist aber gut möglich, dass Teile der jetzt praktizierten digitalen Unterrichts- und Arbeitsformen auch nach der Corona-Situation Bestand haben werden. Immerhin ermöglichen sie den Studierenden eine große Ungebundenheit in Bezug auf ihren Standort. Aber erst einmal freuen wir uns natürlich schon sehr darauf, unsere Studierenden hier in Bergisch Gladbach wiederzusehen und sie auch wieder persönlich begrüßen zu dürfen.

Welcher Nutzen kann sich aus den derzeitigen Umstrukturierungen für die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ergeben?

Erstens wird sicher die Digitalisierung in der Unternehmenswelt weiter vorangetrieben und damit verbunden auch die digitale Infrastruktur. Zweitens hoffe ich, dass die große Solidarität und das Gemeinschaftsgefühl, das sich zurzeit entwickelt, über die Krise hinaus Bestand haben wird. Das würde unserer Gesellschaft sicher guttun. Und drittens kann ich mir vorstellen, dass unsere politischen Strukturen in Zukunft mehr Anerkennung in weiten Teilen der Bevölkerung erfahren werden.

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Dr.-Ing. Alexander Brändle ist Campusleiter an der Fachhochschule der Wirtschaft am Standort Bergisch Gladbach. Wir danken ihm für das Statement.