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Alkoholkonsum in der Corona-Krise

Online-Hilfen, wenn es zu viel wird

Steigender Alkoholkonsum dank Corona-Krise? | Ein Beitrag von Prof. Dr. Michael Klein

Derzeit mehren sich die Hinweise, dass durch die anhaltenden Beschränkungen im Zuge der Corona-Krise (Ausgangs- und Begegnungsbeschränkungen, Homeoffice, Kurzarbeit, Gaststätten-und Caféschließungen) der Alkoholkonsum in der Bevölkerung zunimmt. Sicher ist zumindest schon, dass die Alkoholkäufe in den letzten Wochen zugenommen haben (Gesellschaft für Konsumforschung GfK).

Konsumgrenzen einhalten! Konsum als Genuss.

Dabei gibt es viele Gründe, die zu einer Zunahme des Alkoholkonsums in den privaten Haushalten führen können: Bewältigung von Einsamkeitsgefühlen, familiäre Stressreduktion, Entwicklung neuer Freizeitgewohnheiten und häuslicher Rituale, depressive Verstimmungen, Zukunftsängste. Wahrscheinlich wird es sich also bestätigen, dass die durchschnittlichen Konsumwerte für Alkohol in der Krise zunehmen – im Übrigen keine neue Erfahrung in Krisenzeiten, wenn genügend Alkohol angeboten wird, also die Verfügbarkeit hoch ist. Längst ist definiert, was unter ungesundem, riskantem Alkoholkonsum zu verstehen ist. Die WHO empfiehlt, dass Frauen nicht mehr als 20g reinen Alkohol täglich, Männer nicht mehr als 30g täglich trinken. Andernfalls steigen die Risiken für körperliche Folgeerkrankungen (Krebs, Hypertonie, Leberschäden usw.), aber auch für psychische Störungen. Zum Vergleich: 0.5 Liter Bier bzw. 0.2 Liter Wein enthalten etwa 20 g reinen Alkohol. Außerdem werden mindestens zwei alkoholfreie Tage in der Woche empfohlen.

Cannabis als Alternative? Jein

Gibt es Alternativen zum übermäßigen Alkoholkonsum? Innerhalb der Kategorie der psychotropen Substanzen ist Cannabiskonsum eine verlockende Alternative für Erwachsene. Allerdings mit zwei gravierenden Nachteilen: Zum einen ist Cannabis in Deutschland immer noch verboten, wenn auch in vielen Regionen in Bezug auf kleine Mengen zum Eigenkonsum weitgehend toleriert. Zweitens ist die Konsumform „Joint“ ungünstig, weil es schlichtweg stinkt und das Oxidieren, oft gemischt mit Tabak, karzinogen wirkt. Bis es zu einer Cannabislegalisierung in Deutschland kommen wird, dauert es noch. Also doch besser kein oder nicht zu oft Cannabis in der Corona-Krise!

Achtsames, genussvolles Leben in Zeiten von Corona

Es ist sowieso besser, wenn Menschen in Phasen psychischer Missstimmung und Belastung keine sedierenden Substanzen konsumieren, insbesondere wegen der dann zunehmenden Suchtgefahren und der ohnehin nur kurzfristig anhaltenden Wirkung. Daher an dieser Stelle die 10 wichtigsten Alternativen zum Substanzkonsum in der Corona-Quarantäne:

1. Entwickeln Sie neue Alltagsroutinen oder führen die bisherigen fort, soweit wie möglich!

2. Entwickeln Sie genussvolle Ernährungsrituale, z.B. mit Obst, Gemüse, beim Grillen und Kochen!

3. Trinken Sie Alkohol nur genussvoll (lieber teuer und weniger) und das nicht jeden Tag!

4. Bewegen Sie sich mehr. Eine wunderbare Chance bei Home-Office und Frühlingssonne!

5. Halten Sie Tele-Kontakt mit Freunden und Verwandten oder bauen Sie diesen gerade jetzt aus!

6. Sorgen Sie für viel Entspannung und Meditation! In der ruhigen Zeit noch mehr zur Ruhe kommen ist eine wunderbare Chance zur Stressreduktion und zum Abbau von Sorgen.

7. Wenn Sie in einer Familie leben, nutzen Sie den verstärkten Kontakt zu Partner und Kindern für Freizeitaktivitäten und Gespräche! Es wird positive Spuren hinterlassen.

8. Machen Sie sich einen Notfallplan gegen Einsamkeit, Sorgen und Stress, wenn es zu viel wird! Mit wem können Sie dann Kontakt aufnehmen? Es gibt viele Online-Hilfen (von der Telefonseelsorge bis zum Online-Chat), sowie viele neue Möglichkeiten in der Online-Welt, wie z.B. selfapy, moodgym, get.on usw.).

9. Sorgen Sie für positive Stimmungen und Gefühle! Sie sind „Captain in eigener Sache“. Durch geeignetes Denken und Handeln haben Sie den Erfolg, den Sie brauchen.

10. Geben Sie bei Rückschlägen und Tiefpunkten nicht auf. Langstreckenlauf ist gesünder als Sprint, für die Seele allemal!

Abschließend noch einen Aspekt, der uns alle betrifft. Krise ist auch und vor allem Chance. Gründe für Alkoholkonsum gibt es immer – einen Grund zur Selbstbetäubung gibt es nicht!

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Prof. Dr. Michael Klein lehrt Psychologie im Fachbereich Sozialwesen an der Katholischen Hochschule NRW, Abt. Köln und leitet dort das Deutsche Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP). Wir danken ihm für dieses Statement.